Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster. | Fabian Sommer/dpa
Kommentar

Ende des Quarantäne-Lohnersatzes Zumutbar für Ungeimpfte

Stand: 22.09.2021 18:08 Uhr

Impfen bleibt eine persönliche Entscheidung. Doch wer sich nicht impfen lassen möchte und in Quarantäne muss, kann nicht erwarten, dass die Gemeinschaft das fördert und finanziert.

Ein Kommentar von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Mehr Druck für Ungeimpfte bedeutet mehr Fairness für die Mehrheit der Geimpften. Es ist - wie so oft in dieser Pandemie - eine Gratwanderung der Zumutungen von Bund und Ländern. Und jetzt diese neue: Wer ab dem 1. November als Ungeimpfter nach einer Urlaubsreise oder als Kontaktperson in Quarantäne muss, bekommt keine Lohnentschädigung mehr. Das Infektionsschutzgesetz gibt das her, die meisten Bundesländer stehen dazu.

Eva Ellermann ARD-Hauptstadtstudio

Es werden weitere Zumutungen kommen, die Ungeimpften das Leben schwerer machen: Kostenpflichtige Corona-Tests schon ab dem 11. Oktober und es wird auch mit immer mehr 2-G-Regelungen im öffentlichen Leben gerechnet - also Einlass nur für Geimpfte und Genesene.

Gemeinschaftlicher Schutz entspannt

63,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind inzwischen vollständig geimpft. Sie sind selbst geschützt und damit solidarisch mit den anderen. Fakt ist: Je schneller wir den Gemeinschaftsschutz schaffen, desto entspannter wird es für uns alle. Jeder und jede in Deutschland weiß inzwischen, dass wir und vor allem unsere Kinder aus dieser Pandemie nur mit einer hohen Impfquote herauskommen.

Wir haben den Luxus, dass wir genug Impfstoff für alle haben. Es bedeutet wirklich keine große Anstrengung mehr, sich impfen zu lassen - man kann es praktisch im Vorbeigehen erledigen. Und deshalb ist die gute Nachricht doch: Diejenigen, die sich partout nicht impfen lassen wollen, werden zwar langsam, aber doch stetig, weniger.

Wer jetzt noch zögert, mag seine oder ihre Gründe haben. Impfen bleibt eine persönliche Entscheidung. Aber: Wer sich so entscheidet und nichts für die Gemeinschaft tut, kann nicht erwarten, dass die Gemeinschaft das fördert, finanziert und darauf Rücksicht nimmt. Zumindest nicht auf Dauer. Wer krank wird, geimpft oder ungeimpft, oder wer sich nicht impfen lassen kann, bekommt ja weiter Lohnfortzahlungen.

Nicht bezahlen für die Trotzigen

Das Risiko, dass Ungeimpfte bewusst die Quarantäneregeln brechen oder für Unruhe im Betrieb sorgen, müssen wir eingehen. Aber für die Trotzigen, die wir immer noch nicht überzeugt haben, sollen wir wenigstens nicht auch noch bezahlen müssen.

Millionen Menschen in Deutschland sind nach mehr als eineinhalb Jahren Pandemie erschöpft, aber sie geben alles, um wieder auf die Beine zu kommen, öffnen ihre Lokale, geben Konzerte, holen Lernrückstände auf. Es wäre eine Zumutung für sie, zusätzliche Belastungen durch die Ungeimpften weiter mitzutragen. Es ist zumutbar, dass die Ungeimpften die Folgen ihrer Entscheidung selbst tragen.

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