Kommentar

Auftritt bei "Anne Will" Laschet demontiert sich selbst

Stand: 27.04.2020 18:07 Uhr

Je länger die Corona-Krise andauert, desto überforderter wirkt NRW-Ministerpräsident Laschet. Er tritt allzu schrill und fahrig auf und schadet damit massiv seinen Ambitionen aufs Kanzleramt.

Ein Kommentar von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet fühlt sich zu Höherem berufen. Auf seinem Weg nach oben nutzt er jedes Argument. Da muss auch schon mal eine Interviewäußerung des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble als Sprosse herhalten.

Verkürzung oder Verzerrung? Egal. Hauptsache Argument. Schäubles Satz, die Aussage alles andere habe vor dem Schutz des Lebens zurückzutreten, sei in dieser Absolutheit nicht richtig, ist nämlich nicht die Corona-Variante von "Isch over" und schon gar kein Plädoyer für eine schnelle Lockerung aller Einschränkungen.

Schäuble weist vielmehr darauf hin, dass Grundrechte wie das Recht auf Leben oder die Versammlungsfreiheit nicht gegeneinander aufgewogen werden können. Sie müssen mittelfristig wieder unter einen Hut gebracht werden. Darüber kann man streiten, unredlich ist es nicht.

"Oberster Lockerungsbeauftragter der Republik"

Was Laschet hingegen macht, ist unredlich. Wir erinnern uns: Vor Wochen deklamierte er noch theatralisch, es gehe um "Leben und Tod", mittlerweile hat er eine Metamorphose zum obersten Lockerungsbeauftragten der Republik durchlaufen. In einer Reihe von Auftritten und Äußerungen, bei denen vor allem seine Souveränität exponentiell zu schrumpfen schien.

Wer hoch hinaus will, sinkt manchmal tief herab. Wer gedacht hat, das Erklären Nordrhein-Westfalens zum "Land der Küchenbauer" in Zusammenhang mit der Öffnung von Möbelhäusern sei der Tiefpunkt der Laschetschen Ausfälle, sah sich getäuscht. Mit seinem irrlichternden Auftritt bei "Anne Will" im Ersten bewies er: Tiefer geht immer. Schrill und zu laut im Tonfall, alles andere als faktenfest, ungeschickt in der Wortwahl - keine Glanzstunde, sondern eine bemerkenswerte Selbstdemontage.

Laschet zeigt Unwissenheit

Probleme bei der Schulöffnung in NRW? Nicht Laschets Problem - das liege schließlich in der Verantwortung von Städten und Gemeinden. Eine verunsicherte Bevölkerung? Dann sollten die Virologen halt nicht ständig ihre Meinung ändern, so Laschet sinngemäß, in einer beeindruckenden Demonstration seines Unverständnisses davon, wie Wissenschaft funktioniert.

Je länger die Krise andauert, umso überforderter wirkt Armin Laschet und das ist schon für den Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes alarmierend - für einen, der nach dem Vorsitz der größten Volkspartei und letztlich nach dem Einzug ins Kanzleramt strebt, ist es fatal. Womöglich gilt also mit Blick auf diese Ambition Laschets dann doch das Schäublesche Diktum "Isch over".

KOMMENTAR: Armin Laschets Selbstdemontage
Franka Welt, ARD Berlin
27.04.2020 17:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. April 2020 um 17:08 Uhr.

Darstellung: