Armin Laschet und Markus Söder (Archivbild) | dpa
Kommentar

Nach Machtkampf in der Union Söder kann jetzt nur gewinnen

Stand: 20.04.2021 16:20 Uhr

Armin Laschet hat sich im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur durchgesetzt. Der wahre Sieger des Unionsdramas heißt jedoch Markus Söder. Der CSU-Chef kann sich jetzt zurücklehnen.

Ein Kommentar von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet hat sich durchgesetzt. Überzeugt hat er nicht. Auch nicht seinen Konkurrenten Markus Söder. Das wurde sehr deutlich, als der "Kandidat der Herzen" in München mit großer Geste zurückzog.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Söder bedankte sich bei denen in der Partei, "die auf Zukunft aus waren". Viel vergifteter geht nicht. Ein bisschen vergifteter aber schon: Der CSU-Chef bedankte sich nämlich auch bei nahezu allen Ministerpräsidenten, von denen er Zuspruch erhalten habe. Er erklärte staatstragend: Es gebe Verantwortung für das Land - und meinte damit seine Bereitschaft, für die Union als Kanzlerkandidat anzutreten. Es gebe aber auch Verantwortung für die Union, so Söder weiter, nur eine geschlossene Union könne am Ende erfolgreich sein.

Der scheinheilige Markus

Soll heißen: Söder hat um des lieben Friedens willen zurückgezogen, nicht weil er Laschet für den besseren Kandidaten hält. Der Heilige, beziehungsweise scheinheilige Markus hat notgedrungen die Partei über das Land gestellt. Sprich: Weil die CDU in ihrem derzeitigen Zustand einen CSU-Kandidaten nicht verkraftet hätte, bekommt die Union den schwächeren Kanzlerkandidaten: Laschet.

Der CDU-Chef hat sich durchgesetzt, aber was ist sein Sieg wert? Er ist faktisch Kanzlerkandidat von Söders Gnaden. Laschet muss jetzt die Union einen, wie er nach seiner Wahl zum Vorsitzenden die CDU einen musste. Dass es dabei noch Luft nach oben gibt, um es mal vorsichtig auszudrücken, haben die vergangenen acht Tage gezeigt.

Laschet muss Wahlkampf für sich selbst machen

Söder kann in diesem Szenario nur gewinnen. Läuft es gut für die Union im Wahlkampf, dann natürlich wegen der loyalen Unterstützung des starken Mannes aus dem tiefsten Süden. Läuft es hingegen schlecht, ist Laschet schuld, weil die Union nicht mit dem sogenannten Kandidaten der Herzen, sondern nach dem Motto "Im Westen nichts Neues" in den Wahlkampf gezogen ist.

Aber: Laschet hat sich durchgesetzt. Gegen einen Gegner, der nicht nur ihn infrage gestellt hat, sondern auch gleich die Entscheidungsprozesse und Strukturen in der CDU. Die demokratischen Gremien, die die Partei sich selbst gegeben hat.

Das musste Söder zurücknehmen und beteuern, er sei ein großer Verfechter der repräsentativen Demokratie. Das hat Laschet ihm abgerungen. Auch eine Leistung. Trotzdem: Söder kann sich jetzt zurücklehnen und als guter Geist der Union in Szene setzen. Und der Unionskanzlerkandidat Laschet muss Wahlkampf machen. Für sich. In der eigenen Partei.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. April 2021 um 12:00 Uhr.