Kommentar

Verlängerung von Kurzarbeitergeld Riskant, aber richtig

Stand: 26.08.2020 18:16 Uhr

Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes ist teuer und viele "Zombie-Firmen" werden künstlich am Leben gehalten. Trotzdem überwiegen die Argumente dafür.

Ein Kommentar von Alfred Schmit, SWR

Man soll einer Krise nicht hinterhersparen. Deshalb ist die erneute Verlängerung in Sachen Kurzarbeitergeld eine gute Sache. Die Argumente dafür sind stärker als die dagegen.

Die beiden wichtigsten Vorteile des Kurzarbeitergeldes bleiben dank der Neuregelung also wirksam: Nämlich, dass Beschäftigte nicht in die Arbeitslosigkeit fallen, deren Kosten noch viel höher wären. Und dass bei einem Wiederanspringen der Konjunktur gleich alle loslegen können, weil sie ja schon an Bord sind.

Geld hält "Zombie-Firmen" künstlich am Leben

Die beiden Hauptrisiken dieser Politik sollte man dabei allerdings nicht verschweigen: Das Problem von "Zombie-Firmen" und die hohen Kosten.

Mit dem Begriff "Zombie-Firmen" meinen die Kritiker der jetzigen Neuregelung, dass auch solche Firmen am Leben gehalten werden, die eigentlich schon fast pleite wären. Im Sinne einer Marktwirtschaft, so die Kritik, sollten marode Firmen eigentlich ihre Beschäftigten entlassen, damit die sich dann bessere Jobs mit echter Zukunft suchen können.

Wirtschaft ist noch im Schockzustand

Doch in der jetzigen Krise finde ich dieses Argument ungültig. Denn große Teile der Wirtschaft sind immer noch im Schockzustand und die Idee, dass Angestellte sich bessere Jobs in gesunden Firmen suchen, setzt voraus, dass diese Firmen auch weiterhin sichere Beschäftigung garantieren können. Das ist aber nicht der Fall.

Es wäre eine viel zu marktliberale Auslegung der aktuellen Krise, wenn der Staat jetzt schon sagen würde: "Wir kümmern uns demnächst nicht mehr, nach Weihnachten müssen alle selbst sehen, wo sie bleiben." Das wäre einfach falsch.

"Die Kaufkraft bleibt erhalten"

Das zweite Hauptrisiko, also der hohe Kostenpunkt für die Steuerkasse, ist aus meiner Sicht immer noch niedriger als eine mögliche Kosten-Explosion durch hohe Arbeitslosenzahlen. Und die sozialen Kosten hoher Arbeitslosigkeit sind enorm: Perspektivlosigkeit, kein Miteinander mehr mit Kolleginnen und Kollegen und schlechtere Chancen beim Wiedereinstieg.

Zum Schluss noch ein Argument für Kurzarbeit, das gerne vergessen wird: Die Kaufkraft bleibt erhalten bei den Menschen, die Kurzarbeitergeld bekommen. Wer dagegen arbeitslos wird, muss stärker aufs Geld schauen. Hohe Arbeitslosigkeit würde also eine mögliche Abwärtsspirale in der Wirtschaft noch beschleunigen. Das kann niemand wollen.

Ob die Betriebe am Ende die Möglichkeiten für längere Kurzarbeit auch ausschöpfen, ist übrigens noch gar nicht gesagt. Aber das Signal der Politik lautet erst einmal: "Noch geht uns nicht die Puste aus", und das ist richtig.

Die Verlängerung der jetzigen Regeln für Kurzarbeit sendet das Signal: "Wir können es gemeinsam schaffen." Das gibt Zuversicht und ist auf jeden Fall die bessere Botschaft.

Kommentar: Riskant, aber richtig - Kurzarbeitergeld geht in die Verlängerung
Alfred Schmit, ARD Berlin
26.08.2020 16:52 Uhr

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