Kommentar

Kollektivierungs-Debatte Die SPD hat ein Führungsproblem

Stand: 02.05.2019 14:25 Uhr

Die jüngsten Forderungen von Juso-Chef Kühnert kommen für die SPD zur Unzeit, meint Dirk Rodenkirch. Kühnert liefert eine Steilvorlage für den politischen Gegner - und offenbart die Schwäche der Parteiführung.

Ein Kommentar von Dirk Rodenkirch, ARD-Hauptstadtstudio

Es geht nicht darum, ob und was Kevin Kühnert geraucht hat, bevor er seine steilen Sozialismus-Thesen rausgefeuert hat. Auch wenn sich selbst SPD-Parteikollegen diese Frage stellen.

Es geht auch nicht wirklich darum, sich inhaltlich mit den Fantasien des Juso-Chefs auseinanderzusetzen. Dafür sind sie zu abseitig. Bestes Beispiel: die Forderung, dass jeder maximal den Wohnraum besitzen dürfen sollte, den er selbst bewohnt.

Warum bekommt Kühnert eine solche Aufmerksamkeit?

Nein, es geht um die Frage, wer zum Teufel ist eigentlich Kevin Kühnert?

Warum bekommt er so viel Aufmerksamkeit? Und wie kann es sein, dass der Juso-Chef bei den Sozialdemokraten quasi den Ton angibt? Warum schafft er es, die altehrwürdige SPD seit der Bundestagswahl vor sich herzutreiben?

In der tiefsten Krise seiner Partei gilt Kühnert als der Gewinner. In einer SPD, die vorwiegend mit sich selbst hadert, sich selbst kleinmacht, Sinn und Richtung sucht, sticht der 29-Jährige hervor. Als frisches, neues Gesicht treibt er die Sozialdemokraten an, fordert mehr Selbstbewusstsein in der Großen Koalition. Plädiert für klare Bedingungen, um diese überhaupt bis zum Ende mitzutragen. Er wird zum äußerst gefragten Interviewpartner.

Kühnert liefert politischen Gegnern eine Steilvorlage

Und jetzt gut drei Wochen vor der Europawahl kommt Kühnert mit seinen Sozialismus-Thesen um die Ecke, möchte den Kapitalismus überwinden und große Firmen wie BMW kollektivieren.

Seine Parteikollegen im Wahlkampf dürften wenig begeistert sein, nun überall erklären zu müssen, wie weit die SPD denn nach links rücken will und was da mal wieder alles so schiefläuft. Die politischen Gegner geben sich empört und freuen sich insgeheim über diese Steilvorlage.

Träume von einer linken Mehrheit

Kühnert überzieht, überdreht gerade das Rad, mit dem er die SPD antreiben möchte. Er träumt offenbar von einer linken Mehrheit in Deutschland, die aber so weit weg ist, wie die SPD aktuell von ihrem Status als Volkspartei. Der Juso-Chef hilft der Partei damit nicht. Er sorgt für Unruhe, in einer Zeit, in der die SPD versucht, durch seriöse und oft auch erfolgreiche Arbeit in der Regierung wieder beim Wähler zu punkten. 

Das Problem ist nicht, dass sich die SPD so einen freien Radikalen leistet.

Das Problem ist: Die SPD hat weiter ein akutes Führungsproblem, sonst würde Kühnert die Parteispitze mit seinem Auftreten und seinen Äußerungen nicht immer wieder in Verlegenheit bringen.

Kommentar zu Kühnert: Die SPD hat ein Führungsproblem
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
02.05.2019 13:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Mai 2019 um 12:25 Uhr.

Korrespondent

Dirk Rodenkirch  Logo SWR

Dirk Rodenkirch, SWR

Mehr Kommentare

Darstellung: