Pro-Demokratie-Demonstranten im Sudan feiern die Bildung einer Übergangsregierung. | AP
Kommentar

Rückzug des Regierungschefs Den Sudan jetzt nicht im Stich lassen

Stand: 03.01.2022 18:01 Uhr

Sudans Regierungschef Hamdok hat resigniert aufgegeben. Er wollte nicht mehr länger Feigenblatt des Militärs sein. Nun kommt es darauf an, dass die internationale Gemeinschaft die Demokratie-Bewegung im Land nicht im Stich lässt.

Ein Kommentar von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Es ist die traurige Konsequenz eines gescheiterten Hoffnungsträgers: Abdullah Hamdok, der Regierungschef des Sudan, tritt zurück und macht damit den Weg frei. Aber für wen? Wohl kaum für einen Vertreter von Freiheit und Demokratie. Das Militär hat den Sudan fest in der Hand.

Anna Osius ARD-Studio Kairo

Einziger wirklicher Machthaber ist Militärchef General Abdel Fattah al Burhan. Hamdok, der Gescheiterte, war am Ende nicht mehr als ein trauriges Feigenblättchen, ein demokratisches Alibi ohne jegliche Macht im Staat, Spielball des Militärs.

Demonstranten wollen nicht aufgeben

Die Machtverhältnisse im Sudan sind ein Schlag ins Gesicht für die Millionen Sudanesen, die Woche für Woche für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gehen. Sie fordern, kämpfen, und sterben dafür, dass ihr Land nach dem Sturz von Langzeitherrscher Omar al Baschir jetzt endlich einen demokratischen Kurs einschlägt.

Sie wollen nicht aufgeben, sagen sie. Sie ringen um Luft angesichts immer neuer Tränengassalven, mit denen das Militär antwortet - noch ist es nur Tränengas. Einzelne Demonstranten sollen bereits durch gezielte Kopfschüsse getötet worden sein. Nein, der gescheitere Premier hat nicht verhindern können, dass sein Land in eine Katastrophe abrutscht, wie er selbst in seiner Rücktrittsrede sagte.

Und er drängte erneut auf einen demokratischen Prozess. Mit diesen quasi letzten Worten als Premier liegt er richtig. Die Sudanesen haben ein Recht darauf, das Schicksal ihres Landes selbst zu bestimmen, Demokratie zu bekommen, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Menschenrechte. Jetzt ist es an uns - an der internationalen Gemeinschaft - hinzusehen.

Sanktionen gegen einen Bürgerkrieg

Hand aufs Herz: Wer interessiert sich schon für den Sudan? Irgendwo in Afrika - für uns bedeutungslos? Wohl kaum: Es kann uns doch nicht egal sein, wenn ein Volk derart mit Füßen getreten wird, wenn militärische Machthaber alles tun, um den Wunsch nach Demokratie niederzuschlagen.

Der Sudan geht uns an, daran erinnert uns Hamdoks Rücktritt. Nur Druck der internationalen Gemeinschaft, Sanktionen, Verhandlungen können jetzt verhindern, dass wir auf der Welt einen neuen Bürgerkrieg oder eine weitere Militärdiktatur haben. Und dazu braucht der Sudan jetzt vor allem eines: Aufmerksamkeit. Von uns allen.

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Januar 2022 um 17:12 Uhr.