Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht im Badischen Staatstheater in Karlsruhe | dpa
Kommentar

Deutsches Staatsoberhaupt Steinmeier ist eine gute Wahl

Stand: 04.01.2022 18:15 Uhr

Steinmeier ist bei den Deutschen beliebt, international genießt er hohes Ansehen. Das bewog wohl nun auch die Grünen, ihn erneut als Bundespräsidenten zu unterstützen. Steinmeier ist eine gute Wahl für dieses Land.

Ein Kommentar von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

Frank-Walter Steinmeier wird morgen 66 - ein Alter, bei dem die meisten wohl an Ruhestand denken. Und: Er ist ein Mann. Beides, Alter und Geschlecht, hätte eigentlich dafür gesprochen, den amtierenden Bundespräsidenten nach fünf Jahren in Würde aus dem Schloss Bellevue zu verabschieden.

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

Viele hatten sich eine Frau als Nachfolgerin gewünscht: Es wäre die erste im höchsten Staatsamt nach sage und schreibe zwölf Männern. Und vielleicht wäre auch eine Bundespräsidentin zeitgemäß, die etwas jünger ist, die mitten im Leben steht und damit zumindest manche Probleme kennt, die viele Bürgerinnen und Bürger umtreiben.

Der politische Preis war wohl zu hoch

Das alles hatte wohl auch die Grünen bewogen, sich so lange Zeit zu lassen mit der Entscheidung, wen sie bei der nächsten Bundesversammlung Mitte Februar unterstützen wollen. Dass die SPD ihren Mann im Bellevue wiederwählen wird, gilt als gesetzt - auch wenn Steinmeiers Parteimitgliedschaft formell ruht. Aber auch die FDP hatte sich früh für ihn ausgesprochen. Kurz nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages vollendeten die Liberalen so ihre einstweilige Abwendung von der Union.

Blieben die Grünen: Sie hatten mit Katrin Göring-Eckardt sogar eine eigene Aspirantin auf das höchste Amt in der Bundesrepublik. Aber der politische Preis für eine Gegenkandidatur zu Steinmeier wäre dann doch zu hoch gewesen: Zum einen hätte der kleinere Koalitionspartner den bemerkenswerten Kooperationswillen aufs Spiel gesetzt, mit dem die Ampel die Regierungsgeschäfte in Berlin übernommen hat.

Und zum anderen hätte eine grüne Kandidatin gegen einen Amtsinhaber antreten müssen, der bei den Deutschen überaus beliebt ist, der in seiner bisherigen Amtszeit vieles richtig gemacht hat und der auch international hohes Ansehen genießt.

Historische Rede in Yad Vashem

Oft hat er den richtigen Ton getroffen und die passenden Worte gefunden: Sei es als Reaktion auf rechten Terror in Deutschland, sei es bei seiner historischen Rede als erstes deutsches Staatsoberhaupt in Yad Vashem, der israelischen Gedenkstätte für die Opfer der Shoa.

Früh hat Steinmeier die Pandemie zu seinem Thema gemacht. Er besuchte Impfzentren und lud Covid-Patienten zu sich, er stärkte Pflegerinnen und Pflegern den Rücken und distanzierte sich deutlich von spinnerten "Aluhüten". In seiner Weihnachtsansprache erinnerte er die Deutschen zuletzt daran, dass sie kein gespaltenes Volk sind, sondern eines, das in der Pandemie wie beim Hochwasser im Sommer enorme Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt gezeigt hat.

Die Rechnung ist aufgegangen

Steinmeier hat sich schon früh zu einer weiteren Amtszeit bereit erklärt. Das war vor der Bundestagswahl. Also auch, bevor klar war, ob es überhaupt noch mal eine Mehrheit für ihn geben würde in der Bundesversammlung. Das war zumindest couragiert.

Aber die Rechnung ist aufgegangen: Die Mehrheit der drei Ampel-Parteien hat der Amtsinhaber jetzt wohl hinter sich. Man muss aber gar kein Anhänger von SPD, FDP oder Grünen sein, um festzustellen: Steinmeier ist eine gute Wahl für dieses Land.

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 17:05 Uhr.