Kommentar

Martin Schulz beim Bundesparteitag | Bildquelle: REUTERS

Kommentar zum SPD-Parteitag Gelandet, aber nicht am Ziel

Stand: 07.12.2017 21:52 Uhr

SPD-Chef Schulz kann mit dem Parteitag zufrieden sein - für ihn ist er gut gelaufen. Dabei vermied er es wieder, die konkrete Richtung für den Parteikurs vorzugeben. Das könnte sich bald rächen - wenn Schulz und seine Mitstreiter nicht liefern.

Ein Kommentar von Moritz Rödle, ARD-Hauptstadtstudio

Bruchlandung verhindert - aber nicht ohne Dellen im Blech, könnte die Überschrift über diesem ersten Tag des SPD-Parteitags lauten. Martin Schulz hat auf den ersten Blick alle Ziele erreicht. Er ist wieder zum Parteivorsitzenden gewählt worden - sogar mit einem anständigen Ergebnis. Und er hat die Partei hinter seiner Position versammelt, zumindest in ergebnisoffene Gespräche mit der Union zu gehen.

Insofern ist der Parteitag für den Vorsitzenden gut gelaufen. Doch die Klippen kommen noch. Es wurde viel diskutiert, aber wenig über Inhalte gesprochen. Das wird beim nächsten Parteitag wohl nachgeholt - wenn nach den Sondierungen mit der Union klar sein sollte, was in einer Neuauflage der Großen Koalition überhaupt möglich wäre.

Wenig zugespitzt - auch jetzt nicht

Es kann sein, dass sich dann die Taktik des Parteichefs rächt. Schulz selbst analysierte in seiner Rede richtig, dass er im Wahlkampf zu wenig zugespitzt hat. Doch auch dieses Mal verpasste er die Chance, konkret zu sagen, wohin er die SPD wirklich führen will. Einzige Ausnahme: Schulz’ Forderung nach den Vereinigten Staaten von Europa. Ansonsten bestanden große Teile seiner Rede aus sozialdemokratischen Allgemeinplätzen.

Daraus kann sich nun jeder Delegierte ein eigenes Wunschbild bauen. Das weckt Erwartungen, die mit einer geschwächten Bundeskanzlerin in Gesprächen mit der Union vielleicht nur schwer erfüllbar sind. Es kann sein, dass der gemeinsame Weg mit der Union dann schon nach den Sondierungen platzt.

Auffällig war an diesem ersten Tag nämlich auch ein Gefühl der Entfremdung zwischen Delegierten und Parteiführung. Immer wieder wurde in Reden ein Misstrauen deutlich. Offenbar trauen einige aus der Basis der Parteiführung nicht zu, in ihrem Sinne zu verhandeln. Jetzt müssen Schulz und seine Mitstreiter liefern. In Sondierungen mit der Union muss der Parteichef sozialdemokratische Herzensthemen heraushandeln. Eine reine Fokussierung auf das Thema Europa wird wohl nicht reichen um die SPD-Basis zu überzeugen.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Dezember 2017 um 22:15 Uhr.

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