Armin Laschet | AFP
Kommentar

Maskenaffäre in der Union Kann es Laschet noch richten?

Stand: 09.03.2021 15:36 Uhr

Schon am nächsten Wochenende könnte der Union die Maskenaffäre auf die Füße fallen. Denn dann stehen zwei Landtagswahlen an. Auch der Ausgang des Bundestagswahl ist wieder ungewiss.

Ein Kommentar von Uwe Lueb, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet steht mit dem Rücken zur Wand. Ihm dämmert, dass seine Partei schwieriger zu führen ist als gedacht. Eigentlich sah für ihn alles aus wie ein Selbstläufer: Erst die Parteiführung und dann die Kanzlerkandidatur. Mit CSU-Chef Markus Söder wird er sich schon einigen können - und ab ins Kanzleramt.

Uwe Lueb ARD-Hauptstadtstudio

Kaum jemand zweifelte zuletzt noch daran, dass Ende September die Union als mit Abstand stärkste Kraft aus der Bundestagswahl hervorgehen würde. Als letzte verbliebene Volkspartei wäre sie weiterhin die maßgebliche politische Kraft in Deutschland und könnte vermutlich mit den Grünen ein nie dagewesenes Bündnis schmieden.

Deutliche Worte gegen Parteikollegen

Doch genau das sieht Laschet plötzlich in Gefahr - zu Recht. Selten deutlich fallen daher seine Worte im tagesthemen-Interview aus: Er spricht von "Raffke-Mentalität" und Abgeordneten, die nichts im Kopf hätten, als Geld zu verdienen. Dabei haben einige gerade aus der Unionsfraktion hohe Nebeneinkünfte als Unternehmer oder als Anwältin. All das ist ganz legal.

Nun aber werfen die Georg Nüßleins und Nikolas Löbels einen großen Schatten auf die integren, die anständigen Politikerinnen und Politiker - auch anderer Parteien, vor allem aber der Union. Am kommenden Wochenende fällt ihr das womöglich auf die Füße.

Alternativen für konservative Wähler

Diejenigen, die in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aus konservativer Grundüberzeugung CDU wählen wollten, könnten sich angesichts des Glaubwürdigkeitsdesasters der Union im Bund umentscheiden. Für sie wäre die FDP eine Alternative. Sie könnten ihr Kreuz auch bei den Kretschmann-Grünen machen oder die SPD wählen, die von der als Merkel-gleich integer wahrgenommenen Ministerpräsidentin Malu Dreyer angeführt wird.

Ein maues Wahlergebnis der CDU in beiden Ländern wäre ein miserabler Start der Union in das Wahljahr 2021 und für den neuen CDU-Vorsitzenden Laschet. Da kann er noch so oft darauf verweisen, Landtagwahlergebnisse hätten wenig mit dem Bund zu tun.

Noch kann es Laschet richten

Ob er der Richtige fürs Großreinemachen bei der Union ist, steht indes auf einem anderen Blatt. Sein eigenes Vorsprechen bei dem Textilunternehmen van Laack ist sicher nicht vergleichbar mit den aktuellen Fällen. Auch wenn sein Sohn den Deal vorbereitet hatte, strich wohl niemand Provisionen ein. Dennoch dürfte es die Bindung von Laschets Sohn an das Unternehmen van Laack - vorsichtig gesagt - gefestigt haben.

Ein Beigeschmack also bleibt. Doch selbst wenn nun die Wahlen kommenden Sonntag für die CDU verloren gehen: Noch kann Laschet es bis zur Bundestagswahl richten. Dass er das will, hat er deutlich gemacht. Können wird er nur, wenn ihn nicht noch andere Nüßleins oder Löbels weiter an die Wand drücken.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. März 2021 um 22:30 Uhr.