Kommentar

Corona-Krise Mehr Rechte für die Kinder

Stand: 22.04.2020 16:50 Uhr

Notbetreuung ausweiten, Spielplätze öffnen - das sind wichtige Vorschläge, die schnell geprüft werden sollten. Denn sollte die Krise wirklich bis zu zwei Jahre dauern, wäre das für ein Kinderleben eine Ewigkeit.

Ein Kommentar von Verena Gonsch, NDR

"Kinder an die Macht" sang Herbert Grönemeyer schon vor vielen Jahren. Jetzt würde niemand in der Corona-Krise Minderjährige entscheiden lassen, wie wir mit der Pandemie umgehen. Trotzdem ist klar: Kinder haben in dieser Krise keine Stimme. Deshalb ist es überfällig, dass Familienministerin Franziska Giffey diese Rolle übernimmt.

Kinder brauchen ihre Eltern, sie brauchen Bewegung und sie brauchen Bildung. Derzeit bleiben vielen Kindern nur ihre Eltern. Das ist für stabile Familien sehr schön und kann, wie der Arzt des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf, Michael Schulte-Markwort, sagt, die Beziehung auch stärken. Bei instabilen Familien kann diese Zeit aber auch zu sehr viel mehr Stress führen.

Umso wichtiger ist es, dass Eltern die Möglichkeit haben, die Kinder betreuen zu lassen. Die Notbetreuung ist bislang auf sogenannte systemrelevante Berufe beschränkt. Hier sollten die Länder schnellstens prüfen, ob das nicht ausgeweitet werden kann - zumal immer mehr wissenschaftliche Studien darauf hinweisen, dass Kinder bis auf ganz wenige Einzelfälle weder schwer erkranken noch das Virus in entscheidendem Maße weitergeben. Hier braucht es dringend mehr Forschung. Auch im Namen der Kinder.

Ausweitung der Notbetreuung prüfen

Kommen wir zur Bewegung: Die Kontaktsperre einhalten und trotzdem lebhafte Kinder ausreichend auf Trab halten, das gerät in den Familien immer mehr zu einem Balanceakt - vor allem in den Großstädten, wo der Platz ohnehin begrenzt ist.

Der Vorschlag von Familienministerin Giffey, die Spielplätze wieder zu öffnen, ist da eine erste wichtige Forderung. Wieso soll es nicht möglich sein, auch hier die Abstandsregeln einzuhalten und den Zugang zu regeln? Das gilt ebenso für Zoos und Parks. Mittlerweile fehlt es in den größeren Städten schlicht an Platz, um sich ausreichend aus dem Weg zu gehen. Die Öffnung würde hier auch Entlastung bedeuten.

Für ein Kind eine Ewigkeit

Bleibt als dritter Punkt die Bildung: Auch Grundschulkinder brauchen Schulunterricht, damit sie nicht in diesem und nächsten Jahr so viel verpassen, dass sie den Anschluss verlieren. Hierzulande werden erstmal die größeren Kinder und Jugendlichen wieder zur Schule gehen, in Ländern wie Dänemark oder Norwegen ist es genau anders herum - da gehen die Kleinen zuerst zurück zum Unterricht, eben weil sie noch nicht in der Lage sind, digital und selbständig zu lernen. Wenn die Schulöffnung gut anläuft und die Infektionszahlen im Rahmen bleiben, sollte auch dies für Deutschland schnellstmöglich geprüft werden.

Corona fordert momentan die gesamte Gesellschaft heraus. Kinder gehören dazu. Wenn Corona uns - wie befürchtet - bis zu zwei Jahre in Atem hält, ist das für ein Kinderleben eine Ewigkeit.

Kommentar: Kinder in der Corona-Krise
Verena Gonsch, NDR
22.04.2020 16:14 Uhr

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