Dampfende Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG | dpa
Kommentar

CO2-Ausstoß Die hohen Energiepreise sind gut und richtig

Stand: 26.10.2021 18:55 Uhr

Was CO2 ausstößt, darf nicht mehr billiger werden. Es wäre falsch, den Preisanstieg bei fossiler Energie künstlich zu stoppen. Wenn es die EU ernst mit dem Klimaschutz meint, muss sie stärker auf grüne Energien setzen.

Ein Kommentar von Holger Beckmann, ARD-Studio Brüssel

Es ist aber auch zu vertrackt: Da tönt es in der Europäischen Union seit nunmehr über zwei Jahren, dass Klimaschutz das höchste Ziel ist und man weg muss und weg will von CO2 und Erdgas, Erdöl, Kohle. Und kaum werden diese fossilen Energieträger nach langer Zeit endlich einmal wieder nennenswert teurer, herrscht lautes Wehgeschrei. Wie passt das zusammen? Die Antwort ist klar: gar nicht.

Holger Beckmann ARD-Studio Brüssel

Ein Umsteuern ergibt Sinn

Denn eigentlich müsste der zugegeben rasante Preisanstieg in den vergangenen Monaten einem ja eindrucksvoll vor Augen führen, wie abhängig die Gesellschaft immer noch von den alten Energien ist. Das müsste langsam jeder und jedem klar machen, dass ein Umsteuern hin zu den Erneuerbaren nicht nur Sinn ergibt mit Blick darauf, das Klima vielleicht doch noch irgendwie retten zu können, sondern, dass es auch klug ist, weil grüne Energie auf Dauer günstiger und international wettbewerbsfähiger ist.

Und man begibt sich mit ihr nicht derart in Abhängigkeit von Staaten und Staatschefs, von denen man nicht wirklich abhängig sein möchte. In diesem Fall von Russland und seinem Präsidenten Wladimir Putin mit den grandiosen Gasreserven.

Direkte Hilfe für bedürftige Haushalte

Doch was machen Europas Energieminister stattdessen? Sie üben sich in reger Betriebsamkeit und suchen verzweifelt nach Lösungen, um den Preisanstieg zu stoppen, weil der ja vor allem Menschen und Haushalte mit niedrigem Einkommen trifft. Das ist richtig, und richtig ist auch, dass jeder Staat dafür sorgen muss, dass seine Bürgerinnen und Bürger nicht frieren müssen oder im Dunkeln sitzen.

Aber doch bitteschön nicht dadurch, dass man fossile Energie künstlich wieder billiger macht. Sondern dadurch, dass man diesen bedürftigen Haushalten direkt unter die Arme greift, damit sie ihre Energierechnungen bezahlen können.

Richtiges Signal zur richtigen Zeit

Alles andere wäre nämlich das völlig falsche Signal. Was CO2 ausstößt, darf nicht mehr billiger werden, im Gegenteil: Es muss sich weiter verteuern. Und wenn dadurch mehr Menschen dazu gezwungen werden, im Alltag beispielsweise nicht mehr so oft das Auto, sondern stattdessen öfter mal das Fahrrad zu benutzen, dann ist das nicht schlimm, sondern gut.

Die hohen Preise für fossile Energieträger sind das richtige Signal zur richtigen Zeit. Europa sollte sich hüten, daran herumzuschrauben. Jedenfalls dann, wenn man es ernst meint mit Klimaschutz und CO2-Neutralität.

Redaktioneller Hinweis

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2021 um 08:38 Uhr.

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KOMMENTARE

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rareri 26.10.2021 • 19:50 Uhr

Die hohen Energiepreise sind

Die hohen Energiepreise sind gut und richtig, sagt Holger Beckmann. Wenn er es sich finanziell leisten kann, dann möge es ihm vergönnt sein. Es gibt aber Menschen, die von einem Monat zum anderen schauen müssen, wie sie über die Runden kommen. Und diesen Menschen vergönne ich auch, dass sie es sich finanziell leisten können, die Energiepreise zu bezahlen. Was Holger Beckmann da dahersagt, ist einfach zynisch und unqualifiziert.