Leere Stühle stehen vor dem Beginn einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel  im Kanzleramt. | dpa
Kommentar

Corona-Bekämpfung Worauf warten Laschet & Co eigentlich?

Stand: 01.04.2021 16:36 Uhr

Nach der Kanzlerin will jetzt auch CDU-Chef Laschet nachdenken. Währenddessen rollt die dritte Welle der Corona Pandemie fast ungehindert weiter und kostbare Zeit geht verloren. Gute Politik geht anders.

Ein Kommentar von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Armin Laschet will also nachdenken. Armin Laschet, der Anfang der Woche ernsthaft Einkaufen mit Termin als Anreiz dafür gepriesen hat, dass mehr Menschen in die Testzentren kommen. Der aufs Wetter gehofft hatte. Der im Februar davon fabulierte, man könne nicht immer neue Grenzwerte erfinden. Der monatelang den netten Lockerungsonkel vom Rhein und Schutzheiligen der Küchenbauer gab.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Dieser Armin Laschet will nun also über Ostern darüber nachdenken, mit welchen Mitteln die dritte Welle der Corona-Pandemie womöglich doch noch aufgehalten werden kann.

Diese Pandemie dauert bereits mehr als ein Jahr an. Viel Zeit, um nachzudenken, zu planen, Daten zu sammeln. Zu beobachten, welche Eindämmungsstrategien anderswo funktionieren, zum Beispiel in Demokratien wie Portugal. Und sie - Gott bewahre - womöglich sogar zu übernehmen.

Fakten lange bekannt

Aber es ist ja nicht nur Laschet. Alle politisch Verantwortlichen müssen sich fragen lassen, was sie eigentlich während des vergangenen Jahres gemacht haben und was sie gerade veranstalten. Jetzt, da die Hütte mal wieder brennt.

24.300 Menschen haben sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts innerhalb eines Tages neu mit dem Corona-Virus angesteckt. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen. Auf gut 134 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Seit Mitte März müssen unterm Strich 1000 Intensivpatienten zusätzlich in den Krankenhäusern behandelt werden. Der Anteil der hoch ansteckenden britischen Variante B 1.1.7. beträgt in Deutschland mittlerweile fast 90 Prozent.

Streiten wie die Kesselflicker

Und die Politik? Bund und Länder streiten wie die Kesselflicker. Die Kanzlerin denkt. Ein Ministerpräsident warnt vor Inzidenzwerten von 700, will aber trotzdem nach Ostern die Schulen öffnen - egal, wie hoch die Inzidenz ist. Ein anderer erklärt sein gesamtes Bundesland zum Modellversuch. Das ist schizophren.

Derweil zieht Frankreichs Präsident Macron wirklich die Notbremse und schickt sein Land erneut in einen harten Lockdown - inklusive Schulschließungen, - weil die Pandemie dort wieder außer Kontrolle geraten ist. Übrigens nachdem es in Frankreich vielerorts trotz hoher Inzidenzen Öffnungen gab.

Über all das hätte auch Armin Laschet, der mutmaßlich Kanzler werden will, also schon lange intensiv nachdenken können. Bleibt die Frage, warum erst jetzt? Weil er den Ernst der Lage endlich anerkennt oder womöglich doch eher, weil er seine Felle mit Blick auf die Kanzlerkandidatur der Union davon schwimmen sieht? Dem Virus ist das egal. Die Zeit läuft.

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 01. April 2021 um 17:36 Uhr.