Ein Demonstrant in einer Art Hamsterrad in Glasgow | @JamieLawson1001 via REUTERS
Kommentar

Proteste bei Klimakonferenz Die Aktivisten brauchen einen langen Atem

Stand: 05.11.2021 19:43 Uhr

Die Forderungen der Klimaaktivisten sind berechtigt - aber derzeit nicht erfüllbar. Die jungen Demonstranten brauchen noch viel Geduld. Ihr Verdienst ist es, dass sie Politiker aus ihrer Komfortzone drängen.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR

Sind die Forderungen der Thunbergs dieser Welt berechtigt? Ja. Sind sie erfüllbar? Nein. Der Protest ist wichtig und er darf fordernd sein. Aber er darf nicht die Vorstellung wecken, das sei genauso erreichbar. Das ist es nicht. Und er darf nicht ausgerechnet jene beleidigen und diskreditieren, die sich ernsthaft um Lösungen bemühen.

Werner Eckert

Die UN, die Klimakonferenz kann all das gar nicht beschließen, was da erwartet wird. Selbst wenn alle Staats- und Regierungschefs noch einmal hierher kämen. Was ist das für ein Politikverständnis? Mindestens für die demokratisch Gewählten gilt: Sie müssten weitere Zusagen durch die Parlamente bringen. In jedem einzelnen Land und mit Mehrheiten.

Es gibt keinen Schalter

Diese Unterstützung hat US-Präsident Joe Biden ja nicht mal für seine - an den Forderungen der Demonstranten gemessen - ungenügenden Pläne. Und die EU ringt noch lange um ihren Green Deal. Es gibt den Schalter nicht, den man einfach umlegen könnte, so sehr man ihn sich wünscht, so sehr man ihn bräuchte wegen der Erderhitzung.   

Selbst in China - wo die starken Männer viel können - stoßen sie an Grenzen, wenn sie die Menschen wochenlang im Kalten sitzen lassen ohne Strom. Und ohne China ist das mit dem 1,5 Grad-Limit ohnehin aussichtslos.

Es wird noch lange dauern

Alle könnten mehr tun - und darum kann es gehen: das Maximale herauszuholen und die Politiker aus der Komfortzone herauszudrängen. Das ist die Mühe wert und den Einsatz der jungen Menschen. Dafür darf man ihnen danken. Aber sie müssen wissen, dass sie noch einen langen Atem brauchen werden - und dass es mit "Blabla"-Sprüchen nicht getan sein wird.

Die Anti-Atombewegung hat Jahrzehnte gebraucht, bis sie Erfolg hatte. Ich höre die wütende Replik: "Die Zeit haben wir nicht!" Aber was ist die Alternative? John Kerry, der US-Klimagesandte, und ein engagierter Klimapolitiker, hat in Glasgow gesagt: Die Alternative ist, die Hände in den Schoß zu legen und es aufzugeben. Das ist nun wirklich keine!

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. November 2021 um 20:00 Uhr.