Tilman Kuban spricht beim "Deutschlandtag" der Jungen Union. | dpa
Kommentar

"Deutschlandtag" der Jungen Union Zukunft ist das noch nicht

Stand: 16.10.2021 21:48 Uhr

CDU-Chef Laschet kam und zeigte Reue - zur Freude der Jungen Union, die sich davon in ihrem Ärger gegen die Parteispitze ein wenig besänftigen ließ. Damit lässt die JU Laschet aber zu leicht davonkommen.

Ein Kommentar von Michael Stempfle, ARD-Hauptstadtstudio

Der zerknirschte Auftritt von Armin Laschet hat die Junge Union zumindest ein bisschen zufriedengestellt. Erstaunlich, denn auch dem Nachwuchs der Union müsste klar sein: Es birgt viele Risiken in sich, wenn Wahlverlierer Laschet nicht geht, sondern so lange bleibt, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Michael Stempfle ARD-Hauptstadtstudio

Die Umfragewerte dürften auf absehbare Zeit im Keller bleiben. So ein Übergangsprozess zieht sich bekanntlich hin. Erst Anfang November wird beschlossen, wie die Basis beteiligt werden soll. Wann es einen Parteitag geben wird, ist noch unklar. Vielleicht erst im nächsten Jahr. Möglicherweise haben sich SPD, Grüne und FDP schneller auf einen gemeinsamen Koalitionsvertrag geeinigt.

Der Prozess, sich inhaltlich neu aufzustellen, geht für die CDU dann erst los und wird viele Monate dauern. Die Wahlkämpfer im Saarland, in Schleswig-Holstein oder in Nordrhein-Westfalen werden sich bedanken. Gerade der "Deutschlandtag" der Jungen Union zeigt, wie entkernt, wie inhaltslos die Union nach 16 Jahren Merkel dasteht. Noch nicht einmal ihre Flüchtlingspolitik - Zitat - "das Trauma 2015" ist verarbeitet.

Erneuerung kommt nicht aus der Jungen Union

Vielleicht ist die Junge Union ja auch deswegen so schnell zufriedenzustellen, weil sie sich dann selbst nicht so sehr hinterfragen muss. Wann bereichert sie im Netz schon mal Debatten mit neuen klugen konservativen Ideen? Und warum haben die Erstwähler in Westdeutschland oft Grüne und FDP, in Ostdeutschland sogar häufig die rechtsradikale AfD gewählt?

Frauen, die eine Führungsrolle übernehmen könnten, hat auch die Junge Union nicht hervorgebracht. Eigentlich kann die CDU fast schon von Glück reden, dass sie Kandidaten wie Gesundheitsminister Spahn und Wirtschaftsexperte Linnemann vorweisen kann - diejenigen, die offensichtlich Lust haben, die Partei zu führen, einen Neuanfang hinzukriegen.

Dennoch: Ein bisschen mehr Selbstkritik, liebe Junge Union, hätte Ihnen gut gestanden.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. Oktober 2021 um 23:35 Uhr.