Kommentar

Iranische Flagge | Bildquelle: REUTERS

Bin Salmans Israel-Äußerungen Die Angst vor einem starken Iran

Stand: 03.04.2018 17:32 Uhr

Der saudische Kronprinz hat den Israelis das Recht auf ihr eigenes Land zugesprochen. Der überraschende Schritt zeigt, wie einstige Rivalen in der Region zusammenrücken - gegen den neuen Feind Iran.

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Das Interview des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ist ein klassischer Fall von "Einerseits, andererseits": Einerseits ist es bemerkenswert, dass ein so ranghohes Mitglied des saudischen Königshauses Israel ein Existenzrecht zuspricht. Andererseits ist der Hinweis, dass es ein Friedensabkommen braucht, nur die Bekräftigung dessen, was seit vielen Jahren die offizielle Position der Saudis ist.

Auf Betreiben Riads hatte die Arabische Liga im Jahr 2002 ein Friedensangebot gemacht, das sich mit dem Satz zusammenfassen lässt: "Einigt euch mit den Palästinensern, und dann bekommt ihr automatisch Frieden mit der arabischen Welt". Als Basis galt "Land für Frieden", die historische Grundlage des Nahost-Friedensprozesses. Israel nahm dieses Angebot damals nicht an.

Zu einem Separatfrieden mit Israel nicht bereit

In seinem Interview machte Mohammed bin Salman nun deutlich: Die Offerte steht nach wie vor. Aber nichts in seinen Aussagen deutet darauf hin, dass die Saudis zu einem Separatfrieden mit Israel bereit wären, der die Rechte der Palästinenser ignorieren würde. Und damit sein Sohn nicht falsch verstanden wird, ließ König Salman nachreichen: Er beharrt auf Umsetzung der - so wörtlich - legitimen Rechte der Palästinenser auf einen eigenen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt.

Dennoch ist es spannend zu sehen, wie die Sorge vor dem wachsenden Einfluss des Iran in der Region einstige Feinde zusammenrücken lässt. Offenbar ist in vielen arabischen Hauptstädten die Solidarität mit den Palästinensern zu einem nachrangigen Thema geworden - während der "Anti-Iranismus" immer wichtiger wird.

Kommentar zu den Israel-Äußerungen von Mohammed bin Salman
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
03.04.2018 16:58 Uhr

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Die Hysterie wird immer größer

Dafür gibt es gute Gründe, denn dass sich der Iran vielerorts im Nahen Osten in arabische Belange einmischt, ist nicht zu bestreiten. Doch gerade in den Ölmonarchien am Persischen Golf steigert sich dies nun zu einer Hysterie. Mohammed bin Salman sagte in dem Interview, der Oberste Führer des Iran lasse Hitler "gut aussehen". Ein unendlich dummer Satz, der außerdem befürchten lässt, dass der Kronprinz die europäische Geschichte nicht gut genug kennt.

Dass Israel und die meisten arabischen Staaten bisher nicht in Frieden gelebt haben, lag nicht an einer vermeintlich revanchistischen Politik der Saudis, sondern daran, dass Israel während der vergangenen Jahre immer weiter nach rechts gerückt ist. Weder im Parlament noch in der Regierung gibt es jetzt eine Mehrheit für eine gerechte Friedenslösung mit den Palästinensern.

Und es lag auch daran, dass das palästinensische Lager seit mehr als einem Jahrzehnt heillos zerstritten ist. Damals war es der Westen, der die Spaltung zwischen Fatah und Hamas maßgeblich betrieb. Einerseits, andererseits: Einerseits haben die Saudis also noch mal gesagt: Frieden zwischen den Arabern und Israel ist möglich. Aber andererseits klappt das eben nur, wenn auch die Palästinenser zu ihrem Recht kommen.

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. April 2018 um 17:10 Uhr.

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