Kommentar

Hisbollah-Brigaden im Irak US-Angriffe gehen nach hinten los

Stand: 01.01.2020 20:15 Uhr

Die US-Luftangriffe im Irak sind Ausdruck amerikanischer Arroganz. Denn auch wenn den Irakern der iranische Einfluss im Land ein Dorn im Auge ist, ist es nicht an den USA, sich derart einzumischen.

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Wer hätte das gedacht? Die USA bombardieren Ziele im Irak - gegen den Willen der irakischen Regierung. Mindestens 25 Menschen kommen dabei ums Leben, 50 werden verletzt - und die Iraker sind nicht etwa hocherfreut, sondern vor der US-Botschaft in Bagdad gibt es zwei Tage lang Krawall. Wer hätte das gedacht?

Doch Schluss mit der Ironie. Denn die amerikanischen Angriffe auf Einrichtungen der pro-iranischen Miliz Hisbollah-Brigaden - nicht zu verwechseln mit der Hisbollah im Libanon - sind im Irak tatsächlich weithin auf Unmut gestoßen. Diese Angriffe am Sonntag waren eine erwartbare Antwort auf zahllose Attacken auf US-Einrichtungen im Irak; doch klug waren die Luftschläge nicht.

Protest gegen Regierung und den Iran-Einfluss

Was in Washington offenbar völlig übersehen wurde: Seit Monaten gehen Menschen im Irak immer wieder auf die Straße, um zu protestieren: Gegen ihre korrupte und unfähige Regierung - und gegen den großen Einfluss des Iran in ihrem Land. Denn die Führung in Teheran behandelt den Nachbarn immer unverhohlener als ihren Vasall. Teherans Stellvertreter im Irak - zum Beispiel Milizen wie die Hisbollah-Brigaden - betreiben ganz offen das Geschäft der Iraner im Irak. Deswegen waren diese Leute durch die anhaltenden Proteste unter den steigenden Druck der öffentlichen Meinung im Irak gekommen.

In dem Maße, in dem die Demonstrationen das Nationalgefühl der Iraker stärkten, sah es für die Marionetten des Iran im Irak immer schlechter aus. Deswegen waren die US-Luftangriffe ein sprichwörtliches Eigentor.

Wenn ein Iraker die Iraner aus seinem Land werfen will, bedeutet das nicht, dass er deswegen das arrogant-bräsige Auftreten der Amerikaner im Irak gutheißt. Die gewalttätigen Proteste, die sich zwei Tage lang vor der US-Botschaft in Bagdad abspielten, waren im Rahmen dessen, was im Nahen Osten auch sonst nicht ungewöhnlich ist. Steinwürfe, kleine Brände, wütende Protestrufe. Einige Dutzend Menschen konnten kurzzeitig durch ein Tor auf das Gelände vordringen, einige Meter, bevor sie wieder zurückgedrängt wurden. Eine Erstürmung fand nicht statt.

Organisierter Krawall gegen US-Botschaft

Diejenigen, die da Krawall machten, waren die pro-iranischen Milizionäre, die von den Amerikanern am Sonntag angegriffen worden waren, und ihre Anhänger. Der Krawall war nicht Ausdruck des Volkszorns, sondern inszenierte Empörung und so gut geplant, dass die Milizen zuvor die Übertragungswagen der von ihnen kontrollierten Fernsehsender vor der Botschaft in Stellung gebracht hatten.

Also: Hier Hunderttausende Otto-Normal-Iraker, die seit Monaten gegen den Iran auf die Straße gehen und deshalb von pro-iranischen Milizionären beschossen werden, dort einige Tausend bezahlte und vom Iran in Stellung gebrachte Claqueure. Für die Stellvertreter des Iran im Irak waren die US-Luftangriffe ein Geschenk, aus dem sie nun das Beste rausholen.

Keine US-Strategie für den Irak

Somit zeigt sich, dass Washington die Landkarte des Irak nicht lesen kann und keine Strategie für die künftigen Beziehungen mit dem Land hat. US-Präsident Donald Trump kennt keinen der Spitzenvertreter des Landes persönlich. Die Administration weiß nicht, wie sie dem großen Einfluss des Iran im Irak wirksam begegnen könnte.

Die Iraner trauen sich, im Irak immer häufiger gegen die Amerikaner zu sticheln und werden dabei immer frecher. Sie reagieren damit auf Trumps "maximalen Druck" und den US-Wirtschaftskrieg gegen ihr Land. Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen lässt den Iran also zu einer immer größeren Gefahr für die Region werden.

Kommentar: Inszenierte Empörung
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
01.01.2020 20:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2020 um 20:00 Uhr.

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