Kommentar

Parteitag in Leipzig Mit diesen Grünen ist weiter zu rechnen

Stand: 11.11.2018 16:18 Uhr

"Und das ist erst der Anfang" versprachen die Grünen vor neun Monaten in Hannover. Beim Parteitag in Leipzig hielten sie das Versprechen - kämpferisch, selbstbewusst und überraschend geschlossen.

Ein Kommentar von Nina Barth, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Ein Dreivierteljahr ist es her, da war es ganz deutlich zu spüren: das neue Selbstbewusstsein der Grünen, Geschlossenheit, Aufbruchstimmung. Es war der Parteitag in Hannover bei der Wahl der neuen Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck. "Und das ist erst der Anfang" - war das Motto. Manch einer mag die damals nahezu euphorisiert wirkenden Grünen belächelt haben.

Das Selbstbewusstsein ist immer noch da

Aber jetzt, neun Monate später, diesmal in Leipzig, da ist es immer noch da - dieses Selbstbewusstsein. Kein Wunder nach zwei erfolgreichen Landtagswahlen, mehr als 20 Prozent in den bundesweiten Umfragen und so vielen Mitgliedern wie nie. Und natürlich haben sich die Grünen gefeiert auf dem Parteitag.

Doch es war kein "Wir-feiern-uns-selbst"-Parteitag, sondern die Vorbereitung auf die Europawahl im Mai kommenden Jahres. "Die wichtigste seit 1979", sagt Baerbock. Sie forderte gleich zum Auftakt: "Wir müssen dieses Europa verteidigen mit Haut und Haaren und allem, was wir haben." Das grüne Europa soll ökologischer sein, demokratischer und sozialer.

Klar, da gehen alle Grünen mit. Sie wollen eine Plastiksteuer einführen. Sie wollen einen "Klimapass", eine Bleibeberechtigung für Menschen, die vor den Folgen des Klimawandels fliehen müssen. Sie wollen ein europäisches Kriminalamt und eine "CO2-Abgabe" für Industrieanlagen. Keine große Gefahr für die Geschlossenheit der Grünen.

Das Bild der Geschlossenheit erhalten

Die bestand beim Kapitel Flucht und Migration. "Das Recht auf Asyl ist nicht verhandelbar. Auch wenn nicht alle, die kommen, bleiben können." So stand es im Programmentwurf. Vor allem der zweite Teil des Satzes erhitzte manches linke Gemüt. Überraschend geräuschlos wurde das Kapitel verabschiedet - inklusive "Auch wenn nicht alle, die kommen, bleiben können." Der Satz ist nur weiter nach hinten gerutscht.

Bis in die Nacht hat eine kleine Runde darüber verhandelt - und ganz sicher auch gestritten. Das aber hinter den Kulissen, der große Streit auf offener Bühne blieb aus. Das Bild der Geschlossenheit - es bekam keinen Riss. In vielen Bereichen - gerade bei der Migration - bleiben die Grünen in ihrem Programm vage, aber sie sind erkennbar realistischer als früher. Und das macht sie wählbar auch für die, die die Grünen vorher nie gewählt haben.

Das kann auch bei den Europawahlen funktionieren. Natürlich, bei den Landtagswahlen im Osten wird es schwieriger für die Grünen. Aber bis dahin haben sie noch Monate Zeit. "Und das ist erst der Anfang" - das war das Versprechen von Hannover. Es war kein leeres Versprechen. Das haben die vergangenen Monate gezeigt. Der Parteitag in Leipzig hat es bestätigt. Die beschworene Geschlossenheit ist weiterhin da. Das Selbstbewusstsein erst Recht. Mit diesen Grünen ist weiterhin zu rechnen.

Kommentar: Grüne geben sich kämpferisch und geschlossen
N. Barth, ARD Berlin
11.11.2018 16:05 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. November 2018 um 16:00 Uhr.

Korrespondentin

Nina Barth Logo SWR

Nina Barth, SWR

@ninabarth_hsb bei Twitter

Mehr Kommentare

Darstellung: