Kommentar

Annalena Baerbock, Katrin Göring-Eckardt, Kirsten Kappert-Gonther, Anton Hofreiter, Robert Habeck und Cem Özdemir | Bildquelle: dpa

Grünen-Fraktionsvorsitz Strahlende Sieger sehen anders aus

Stand: 24.09.2019 19:20 Uhr

Die Kampfkandidatur um den Fraktionsvorsitz der Grünen hat mehr Verlierer als Gewinner hervorgebracht. Lediglich die unterlegene Kandidatin Kappert-Gonther könnte davon profitieren.

Ein Kommentar von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Er hat auf Risiko gespielt - und verloren. Mehr als alle anderen in diesem Wettstreit. Der große Redner Cem Özdemir, einer der bekanntesten Grünen, dessen Führungsstil Gegner jedoch gerne mit Alleingängen beschreiben.

Realos plus Fundis gleich Flügelkämpfe - so lautete früher die Gleichung der Grünen. Zuletzt aber war davon wenig zu spüren. Stattdessen glänzen an der Spitze Annalena Baerbock und Robert Habeck. Um die Fraktion kümmern sich -vielleicht weniger glanzvoll, aber zuverlässig - bereits seit 2013 Anton Hofreiter und Göring-Eckardt. Das Gesellschaftsthema Klimaschutz plus innerparteiliche Harmonie gleich Wahlerfolge, so sieht es jetzt aus.

In diese Rechnung hat Özdemir mit seiner Kandidatur zusammen mit der kaum bekannten Kirsten Kappert-Gonther eine überraschende Variable gebracht. Der ehemalige Parteichef ist inzwischen nur noch Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Nun hat er beim Versuch eines Comebacks in die erste Reihe viel riskiert - und selbst am meisten verloren. Die Fraktion hat Hofreiter und Göring-Eckardt bestätigt. Sie hält fest an Gleichgewicht und innerparteilicher Harmonie. Entsprechend gratuliert die Parteispitze: "Gemeinsam an einem Strang ziehen - das macht uns stark."

Für Kappert-Gonther ist der Rückschlag dagegen wahrscheinlich gar keiner. Ihre Bekanntheit ist dramatisch gestiegen, als Überraschungskandidatin hat sie Mut bewiesen und sich für künftige Ämter in Gespräch gebracht. Sie hat mehr als ein Viertel der Fraktion von sich überzeugen können - ein beachtlicher Start.

Die von Özdemir gestiftete Unruhe könnte aber nachhallen. Schon vor der Wahl hat die Fraktion mehr Fragen an die Kandidaten gehabt als erwartet. Und Göring-Eckardt und Hofreiter haben je nur etwas über beziehungsweise unter 60 Prozent bekommen. Schon 2018, damals sogar noch ohne Gegenkandidaten, war es nur eine matte Zwei-Drittel-Zustimmung. Strahlende Sieger sehen anders aus - etwa wie Rolf Mützenich, der fast zeitgleich bei den Sozialdemokraten knapp 98 Prozent einfuhr.

Auf Risiko gespielt – Cem Özdemir verliert Rennen um Fraktionsvorsitz
Kai Clement, ARD Berlin
24.09.2019 18:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2019 um 18:27 Uhr.

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