Kommentar

Martin Schulz | Bildquelle: dpa

Schulz an der SPD-Spitze Sensationell gescheitert

Stand: 07.02.2018 22:05 Uhr

325 Tage nur hat die Liebe von Schulz und der SPD gehalten - nun ist sie erloschen. Schulz rettet sich ins Außenamt und Nahles soll es richten. Scheitert sie, scheitert die SPD endgültig.

Ein Kommentar von Katrin Brand, ARD-Hauptstadtstudio

Am 21. Januar muss Martin Schulz klargeworden sein, dass es vorbei ist. Dass die große Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Partei, der SPD, zu Ende ist. An diesem 21. Januar, beim Sonderparteitag in Bonn, kämpfte Schulz für die Große Koalition und um sein politisches Überleben. Doch die Partei, die ihn früher stets gefeiert hatte, rührte kaum einen Finger. Und als er irgendwann, wie so oft, seinen Freund Emmanuel Macron erwähnte, ging ein kollektives Aufstöhnen durch den Saal: nicht schon wieder.

Der starke Abgang täuscht

Schulz hätte in diesem Moment sein Manuskript packen und gehen können, doch er blieb. Er kämpfte weiter, er handelte die GroKo aus, ziemlich schnell und ziemlich erfolgreich für die SPD. Ein letzter Dienst, denn nun kündigt er seiner Partei die Freundschaft. Er schießt ziemlich ungerührt seinen früheren Freund Sigmar Gabriel als Außenminister ab, greift sich selbst den Job und vollzieht, was Andrea Nahles schon länger vorbereitet hat: Er macht sie zur Parteichefin.

So hintereinander weg erzählt, klingt das nach einem starken Abgang. Tatsächlich aber ist wohl kaum jemand in der SPD so sensationell gescheitert wie Schulz. 325 Tage nur hat die Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Partei gedauert, die als glühende Leidenschaft gestartet war - mit 100 Prozent Zuneigung.

Übergroße Erwartungen

Aber da hatten beide wohl nur ihre Hoffnungen und Sehnsüchte aufeinander projiziert. Entsprechend groß war die Enttäuschung. Schulz konnte nicht übers Wasser gehen, er machte Fehler im Wahlkampf und danach, er führte zu wenig, er war inhaltlich nicht bei sich und änderte zu oft seine Haltung. Und seine panische Partei wollte bis zum Schluss nicht wahrhaben, dass nicht Angela Merkel oder gar die Große Koalition Schuld am Elend der SPD ist, sondern dass die Erneuerung aus ihr selbst kommen muss.

Nahles, immerhin, hat das erkannt und schon öfter formuliert. So gesehen ist es konsequent, sie zur Parteichefin zu machen. Von der Bundestagsfraktion aus kann sie der Regierung Dampf machen und gleichzeitig die SPD hegen und pflegen. Als einstige Linke und Juso-Chefin dürfte ihr das leichter fallen als ihren Vorgängern. Mit Nahles an der Spitze könnte es auch leichter werden, den Mitgliederentscheid zu gewinnen.

Am Mitgliedervotum hängt auch die Zukunft der SPD

Könnte, muss aber nicht. Womöglich nehmen die 463.000 SPD-Mitglieder es Schulz übel, dass er sich ins Außenamt rettet. Dorthin, wo er seinen Herzensthemen nachgehen kann und sicher bald sehr geschätzt wird.

Doch den Mitgliedern muss klar sein, dass ihr Votum nicht nur über die Groko entscheidet, sondern auch über ihre Partei an sich. Der, den sie mal als Gottkanzler gefeiert haben, hat sich nun selber abgeräumt. Sollte auch Nahles scheitern, wäre das nun wirklich das Ende der SPD.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Februar 2018 um 21:35 Uhr.

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