Kommentar

Horst Seehofer, Ministerpräsident Bayern (CSU) und der SPD-Vorsitzende Martin Schulz unterhalten sich nach den Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD nach der Pressekonferenz in der CDU-Parteizentrale. | Bildquelle: dpa

GroKo-Einigung Hat lange gedauert- macht aber nix

Stand: 07.02.2018 17:20 Uhr

Im letzten Moment über die Ziellinie geschleppt - das ist der Eindruck, den die Verhandlungen bei vielen hinterlassen haben. Doch das Bild trügt. Im Gegenteil, Union und SPD waren ziemlich sportlich.

Ein Kommentar von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Na endlich, geschafft! Wurde auch langsam Zeit! Dieses Gefühl haben heute wahrscheinlich viele, ich auch. Aber wie es mit Gefühlen manchmal so ist, so richtig angemessen ist es nicht. Denn anders als gefühlt, haben Union und SPD gar nicht ewig verhandelt. Eine Woche Sondierungen, eine gute Woche Koalitionsverhandlungen - das ist, im Gegenteil, ziemlich sportlich.

Trotzdem ist die Bundestagswahl schon mehr als vier Monate her. Das liegt am Warten auf die Niedersachsen-Wahl - drei Wochen. An den endlosen Jamaika-Sondierungen - vier Wochen. Am Ringen der SPD mit sich selbst - nochmal etwa vier Wochen, die ich dieser gebeutelten Partei, die jetzt das wegräumt, was größtenteils andere angerichtet haben, aber gerne zugestehe. Dann kam noch Weihnachten dazwischen und schon war es Anfang Februar.

Die vermeintlich endlosen GroKo-Verhandlungen sind also nicht schuld. Im Gegenteil: Was das Aushandeln von Kompromissen angeht, waren CDU/CSU und SPD wesentlich professioneller als vorher CDU, CSU, FDP und Grüne.

Wichtige Zukunftsthemen werden angepackt

Über den Koalitionsvertrag selbst sagt das noch nichts, aber auch der bietet nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner wie manche unken, sondern er packt zumindest einige wichtige Zukunftsthemen tatsächlich an.

Zum Beispiel bei der Bildung, bei der Europapolitik oder - Achtung sperrig, aber wichtig - bei der Frage, wie künftig Fördergelder für benachteiligte Gegenden verteilt werden. Also: Gebt der kleinen GroKo erst einmal eine Chance und seid nicht von Anfang an gleich genervt.

Gefühle liegen nicht immer richtig (siehe oben). Und ein richtig gutes Gefühl können die vergangenen vier Monate auch hervorrufen. Unser uraltes Grundgesetz funktioniert auch in solchen Zwischenzeiten prima. Das Land ist nicht führungslos ins Chaos gestürzt, keine Wirtschaftskrise, keine Plünderungen, kein Bürgerkrieg, der Müll wurde weiter abgeholt und Strom war auch immer da.

Fazit: Ja, es ist gut, dass es jetzt endlich weitergeht, aber Grund zum Lamentieren über das ach so fürchterliche politische System bieten die vergangenen vier Monate nicht. Ganz im Gegenteil.

Kommentar: Hat lange gedauert, macht aber nix
Alex Krämer, ARD Berlin
07.02.2018 15:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Februar 2018 um 17:00 Uhr.

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