Kommentar |

Einigung auf Frauenquote Umdenken lässt sich nicht verordnen

Stand: 26.11.2014 13:32 Uhr

Von Julia Barth, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Julia Barth

Es ist vollbracht. Deutschland bekommt eine Frauenquote. Jetzt wird alles gut und gerecht. Mitnichten! Denn verbindlich ist diese Quote nur für die gut 100 größten Unternehmen in Deutschland. Nur sie müssen Konsequenzen befürchten, wenn sie von 2016 an nicht dafür sorgen, die 30 Prozent einzuhalten. Und das nicht etwa im Vorstand oder im oberen Management der Firma, sondern lediglich im Aufsichtsrat. Das ist allenfalls Symbolpolitik, ein großer Schritt hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit ist es nicht.

Ich weiß, die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft hat nichts gebracht. Und wenn die Politik deshalb überzeugt ist, dass sie gesetzliche Vorschriften machen muss, dann ist das verständlich. Aber dann auch richtig und für alle Führungsposten.

Mit der jetzigen Lösung wird sich erstmal gar nichts ändern. Denn solange die Entscheider in der Wirtschaft nicht davon überzeugt sind, dass Frauen in den Chefetagen die Unternehmen weiter bringen, solange sie sämtliche Untersuchungen ignorieren, die belegen, dass gemischte Teams besser arbeiten - solange werden die allermeisten gut ausgebildeten kompetenten Frauen im Land es auch weiterhin schwer haben, ganz nach oben zu kommen.

Politik ist leider kein Vorbild

Ein längst überfälliges Umdenken in den Köpfen kann man nun mal politisch nicht verordnen. Die Politik könnte aber immerhin ein Vorbild sein. Doch das ist sie leider nicht. Im Gegenteil. Unionsfraktionschef Volker Kauder hat der Familienministerin gestern die Ansage gemacht, sie solle mal nicht so weinerlich sein, sondern ihre Arbeit machen. Er vermittelt nach wie vor den Eindruck, dass mehr Frauen in Führungspositionen eine Belastung für die Wirtschaft sind. Und damit ist er längst nicht der einzige. Das sagt doch eigentlich schon alles. Und das ist noch ein Grund weniger, diese Miniquote zu feiern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. November 2014 um 12:00 Uhr.