Zwei Menschen laufen an einem Plakat der UN-Klimakonferenz in Glasgow vorbei. | AFP
Kommentar

UN-Klimakonferenz Das Glas ist halb voll

Stand: 02.11.2021 17:25 Uhr

Viele Initiativen, wenig Verbindliches: Diese Formel gilt grundsätzlich auch für den Klima-Gipfel in Glasgow. Und doch sind diesmal ein neuer Geist und guter Wille erkennbar.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR, zzt. Glasgow

Ein paar neue Zusagen, eine Menge Initiativen und jede Menge Dollar für den Klimaschutz. Doch ja, da baut sich zumindest ein besserer Geist auf, als man es bei früheren Konferenzen schon erlebt hat. Vor allem Indiens Ansage war sicherlich die Überraschung zu Beginn. Auch wenn das Land erst 2070 klimaneutral sein will: Es hat sich erstens damit überhaupt auf den gleichen Weg begeben wie die anderen und zweitens gibt es in dem nationalen Statement noch ein paar andere Zielvorgaben, die zeigen, dass das durchaus ernst gemeint ist.

Werner Eckert

Das ist bedeutsam, weil es wiederum das andere große Schwellenland, China, unter Zugzwang bringen könnte. Dessen Staatschef Xi Jinping - das war die Enttäuschung bisher - schickte nicht mal ein Video, sondern nur ein paar dünne anklagende Worte nach Glasgow.

2,7 Grad statt fünf bis sechs

Licht und Schatten - aber man darf den Fortschritt im internationalen Klimaschutz nicht nur nach den Reden der Politiker in Glasgow beurteilen. Denn die Staaten haben viele Ansagen schon im Laufe des Jahres gemacht - die EU, die USA oder Japan sind nur einige Beispiele. Und auch die Konferenz-Serie als solche hat bereits einiges gebracht: Wir waren mal auf dem Weg zu fünf bis sechs Grad höheren Temperaturen und sind jetzt bei 2,7 Grad mit deutlicher Tendenz zur Verbesserung. Das ist nicht genug - aber das berühmte halbvolle Glas ...

Die politischen Vorgaben aus dem Paris-Protokoll haben hier in Glasgow allerdings auch noch andere Auswirkungen. Es gibt eine Menge von Initiativen, die helfen sollen, das Ganze auch praktisch umzusetzen. Etwa die Zusammenarbeit mit Südafrika, wo die EU, einige Mitgliedsländer, darunter Deutschland, die USA und Großbritannien, das Land beim Kohleausstieg unterstützen wollen. Oder die Methan-Initiative der EU und der USA, in der 80 Länder den Methanausstoß reduzieren wollen. Wenn vor allem Lecks in Gas-Pipelines abgedichtet werden, ist das wirtschaftlich sinnvoll und ein Segen fürs Klima.

Verbindliche Ziele nur bei ernsthaftem Interesse

Allerdings gilt für all das: Es ist nicht verbindlich. Das sind keine Beschlüsse im Rahmen der Verhandlungen, sondern Absprachen am Rand. Das gilt auch für Boris Johnsons PR-Coup: die Waldinitiative, die jetzt gestartet wurde. Ein wichtiges Thema und ein sinnvoller Weg - es ist aber nicht der erste Anlauf zu einem solchen Angebot an die waldreichen Länder. Diese Initiativen sind regelmäßig daran gescheitert, dass die Bolsonaros dieser Welt am Ende das Geld genommen haben, ohne ihren Anteil zu liefern.

Diese Initiativen sind wichtig und ihre Vielzahl zeigt, dass da ein Wille ist, etwas zu bewegen. Aber nur wenn die Staaten auch bindende Klimaschutzziele eingehen, haben sie auch ein Interesse, ernsthaft mitzumachen.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2021 um 18:25 Uhr.