Zwei Menschen laufen an einem Plakat der UN-Klimakonferenz in Glasgow vorbei. | AFP
Kommentar

COP26-Abschlusserklärung Nicht die schlechteste Klimakonferenz

Stand: 14.11.2021 14:31 Uhr

Gemessen an der Realität im Klimawandel waren die Klimakonferenzen schon immer ungenügend. Dennoch macht die Abschlusserklärung von Glasgow immerhin deutlich: Das Zeitalter der fossilen Energie geht zu Ende.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR

Ja, prima, Konferenz-Bashing geht immer. Da wird die Welt nicht gerettet. Stimmt. Beschlüsse von 197 Staaten sind eben keine Leitartikel, keine klugen Einlassungen von Wissenschaftlern und sie passen schon gar nicht auf ein Demo-Plakat. Was den Klimaschutz betrifft, waren sie schon immer ungenügend - gemessen an der Realität im Klimawandel - und die ist bereits grausam.

Werner Eckert

Aber da ist Glasgow mit seinem Pakt am Ende jetzt nicht die schlechteste Klimakonferenz. Es ist die erste, die ausspricht, was lange klar ist: Das Zeitalter der fossilen Energie muss zu Ende gehen. Ein beschleunigter Ausstieg aus der Kohle und aus ineffizienten staatlichen Subventionen sind nur ein Appell - aber von politischer Bedeutung. Kohle, Öl und Gas sind das zentrale Problem. Wir setzen da heute in wenigen Jahrzehnten so viel Kohlenstoff frei, wie die Natur in Jahrmillionen eingelagert hat. Das ist nicht einfach ein bisschen Energie, das ist der größte menschliche Angriff auf diesen Planeten.

Entwicklungsländer sind zu Recht enttäuscht

Trotzdem gab es um diese Erwähnung bis zum Ende Streit mit Indien. Sie konnte nur gerettet werden, um den Preis einer weiteren Verwässerung. Das zweite ist das Eingeständnis, dass das 1,5-Grad-Limit schnell mehr Aktion erfordert. China weiß, dass es damit direkt angesprochen ist. Wenn dort die Emissionen nicht Mitte des Jahrzehnts runtergehen, ist dieses Limit nicht einzuhalten.

Die Entwicklungsländer sind zu Recht enttäuscht. Und die Versprechen der Industriestaaten, ihnen zu helfen, sind nicht erfüllt. Für die Zukunft müssen sie weiter hoffen - auch darauf, dass endlich über einen Ausgleich für jene Schäden und Verluste gesprochen wird, an denen sie unverhältnismäßig tragen und die ihre eigenen Staatshaushalte überfordern.

Hoffen auf die Wirtschaft

Wie weiter? Von selbst geht auch jetzt nichts. Die Beschwörungen und Fernziele bringen alleine die Welt nicht weiter. Real sind wir auf dem Weg zu Temperaturen deutlich über zwei Grad. Und meine Phantasie reicht nicht so weit, dass ich mir vorstellen kann, dass die Politiker da alleine weiterkommen. Meine Hoffnung liegt bei der Wirtschaft.

Alle Staaten sind jetzt auf dem Weg Richtung Klimaneutralität - auch das eine Botschaft in Glasgow. Kohlekraftwerke sind oder werden bald zu hochriskanten Investitionen. Ihre Laufzeit: sehr begrenzt. Das macht sie teuer. Die Wirtschaft sucht schon neue Geschäftsmodelle. Technisch sind die meisten Lösungen da - das muss nur entfesselt werden. Dann treiben die Bosse die Politik vor sich her. China ist nur so ins Boot zu kriegen.

Und die Widerstände in der Gesellschaft sind mit Lösungen besser zu überwinden als mit Forderungen, die zur Überforderung führen. Träume ich? Nicht mehr, als jene, die glauben man könne noch so richtige wissenschaftliche Erkenntnisse mal eben in politische Realität verwandeln.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. November 2021 um 14:05 Uhr.