Armin Laschet | EPA
Kommentar

Erneuerung der CDU Eine neue Generation muss her

Stand: 11.10.2021 18:15 Uhr

Die CDU hat beschlossen, ihren Vorstand neu zu wählen. Das ist richtig, aber längst nicht genug. Entscheidend ist, dass der Generationswechsel in der Partei auch sichtbar ist.

Ein Kommentar von Daniel Pokraka, ARD-Hauptstadtstudio

Natürlich muss die CDU ihren Bundesvorstand neu wählen. Aber das bringt nur etwas, wenn der alte auch wirklich geht. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn wer garantiert, dass nicht viele der Altvorderen, die das Debakel der CDU bei der Bundestagswahl massiv mitverantworten, noch einmal antreten?

Daniel Pokraka ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU braucht einen sichtbaren Generationswechsel, und das bedeutet, dass in den nächsten Tagen und Wochen die Generation der Schäubles, Strobls und Bouffiers klar sagen sollte: "Wir werden den Spitzengremien in Zukunft nicht mehr angehören." Schade für die CDU ist, dass Parteichef Armin Laschet in dieser Hinsicht kein Vorbild ist.

Keine Hintertürchen

Seine Rückzugsankündigung mit Hintertürchen in der zurückliegenden Woche war genau das, was die CDU jetzt nicht braucht. Vermutlich ist Laschet nicht der Einzige, der die Hoffnung auf eine Jamaika-Koalition noch nicht aufgegeben hat und deshalb auf Zeit spielt.

Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Union bei der Regierungsbildung doch noch eine Rolle spielt: An einem Generationswechsel führt kein Weg vorbei, und das betrifft auch den künftigen CDU-Vorsitzenden. Also: Schluss mit den Männern aus Nordrhein-Westfalen, die schon zu Jahresbeginn keine Mehrheit bekommen haben, und die ihre politische Blütezeit rund um den Jahrtausendwechsel (Friedrich Merz), oder um das Jahr 2010 herum (Norbert Röttgen) hatten.

Den idealen Kandidaten gibt es nicht

Je schneller sie verzichten, desto früher kann die Suche nach einem jungen, neuen Chef beginnen, der die CDU nach innen und außen erneuert. Wer das sein soll? Jens Spahn vielleicht, Daniel Günther (der bisher nicht will) aus Schleswig-Holstein, der Saarländer Tobias Hans oder auch der Sachse Michael Kretschmer? Gegen jeden dieser Kandidaten lassen sich leicht Argumente finden. Den idealen Kandidaten gibt es nicht (logisch, der wäre ja sonst bestimmt Kanzlerkandidat geworden), aber alle vier sind vergleichsweise jung, haben Regierungserfahrung und könnten die CDU inhaltlich neu ausrichten.

Dass hier nur von männlichen Kandidaten die Rede ist, ist übrigens auch Teil des Problems. Entscheidend ist, dass die CDU ihren neuen Parteichef schnell kürt. Zum einen, weil sie im März und Mai drei Landtagswahlen zu bestehen (und drei Staatskanzleien zu verteidigen) hat. Zum anderen, weil die CDU unter neuer Führung möglichst bald klären sollte, was konservative Politik in den 2020er-Jahren sein soll. Ihr Anspruch als größte Oppositionspartei muss sein, eine Alternative zu einer Ampel-Koalition anzubieten.

Denn selbst wenn sich SPD, Grüne und FDP auf eine Koalition einigen: Die Chance, dass die drei Parteien, viele Wähler oder alle zusammen von der Ampel eher früher als später die Nase voll haben, ist aus Sicht der Union gar nicht so klein. Spätestens dann sollte die CDU wissen, wer sie ist und was sie will.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.