Kommentar

Marx und Bätzing | Bildquelle: AFP

Bichofskonferenzchef Bätzing Als Teamplayer gefragt

Stand: 03.03.2020 21:04 Uhr

Er gilt als Vermittler mit Kommunikationstalent. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz sollte Bätzing eben diese Fähigkeiten einsetzen, um dort Reformen anzustoßen, wo es zählt: in Rom.

Ein Kommentar von Ulrich Pick, SWR

Auch wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz keine kirchenrechtlich relevante Rolle spielt und jeder der 27 Diözesanbischöfe nur dem Papst und dem lieben Gott verpflichtet ist: Über die Wahl von Georg Bätzing können sich die deutschen Katholiken freuen.

Denn mit dem Limburger Bischof haben sie einen Mann an der Spitze, der sich sowohl aufs Zuhören als auch aufs Sprechen versteht. Anders gesagt: Innerhalb der oft polarisierten Bischofskonferenz dürfte er - getreu seines Leitspruchs "Congrega in unum" ("Führe zusammen") - einen guten Mediator abgeben und nach außen hin einen ebenso guten Kommunikator.

Wille zu Reformen ist da

Der 58-jährige Westerwälder gilt zudem als gemäßigter Reformer, der in den beiden immer wieder debattierten Punkten "Pflichtzölibat" und "Frauenweihe" eine ähnliche Haltung hat wie wohl die meisten Katholiken im Land. So regte er in innerkirchlichen Debatten eine Aufhebung des Pflichtzölibats an und sieht den geltenden Ausschluss von Frauen von katholischen Weiheämtern kritisch.

Diese Haltungen dürfte ihm viel Sympathie einbringen. Allerdings wird auch er künftig vor dem Problem stehen, den Gläubigen erklären zu müssen, dass diese beiden Punkte in Rom und nirgends anders entschieden werden - und dies dürfte zu unvermeidlichen Frustrationen führen und den gerade begonnen synodalen Weg möglicherweise belasten.

Mittlerqualitäten gefragt

Zudem muss er versuchen, diejenigen Amtsbrüder einzubinden, die in der Vergangenheit die mühsam errungenen Kompromisse seines Vorgängers mehrfach unterlaufen haben. Ob ihm das gelingt, ist noch nicht abgemacht, aber seine offene und ausgleichende Art dürfte ihm dabei zugutekommen.

Wichtig ist darüber hinaus ein starkes Auftreten in Rom. Auch wenn er bislang noch über keine guten Verbindungen in den Vatikan verfügt, um zu vermeiden, dass unzufriedene Amtsbrüder sich beim Papst über Vorgänge in Deutschland beklagen, sollte Bätzing eine "Teamlösung" anpeilen. Er sollte anders als sein Vorgänger nicht alleine nach Rom reisen, sondern mit vier oder fünf Amtsbrüdern.

Wenn dann einer dabei ist, dem die Richtung der Bischofskonferenz nicht passt, dürfte das abzufedern sein. Unglücklich wäre es allerdings, wenn Bätzing - wie früher Marx - alleine vorsprechen würde und kurz danach ein verärgerter Kölner Kardinal Woelki seine Aufwartung machte. Das schafft nur Irritation über die deutschen Katholiken.

Kommentar zur Wahl Bätzings als Vorsitzender der Bischofskonferenz
Ulrich Pick, SWR
03.03.2020 20:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2020 um 20:00 Uhr.

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