Hubertus Heil, Svenja Schulze, Christine Lambrecht, Karl Lauterbach und Nancy Faeser  | dpa
Kommentar

Frauen im Kabinett Die können das!

Stand: 07.12.2021 17:13 Uhr

Olaf Scholz hat Wort gehalten: Das neue Kabinett besteht zu 50 Prozent aus Ministerinnen. Das ist ein starkes Signal, findet Sabine Henkel. Noch stärker wäre es, wenn sich in dieser Regierung mal ein Mann um das "Gedöns" kümmern würde.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Da sitzen sie also, die drei Ampel-Männer: Olaf Scholz, Robert Habeck, Christian Lindner und preisen Parität im Kabinett. Finde den Fehler! Ampel-Männer präsentieren den Koalitionsvertrag - Ampel-Frauen schauen zu.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Darüber kann man sich empören: Ja, muss man aber nicht. Denn dieses Kabinett ist so weiblich wie kein anderes zuvor - Hurra! Und Scholz hat recht: Die Hälfte der Gesellschaft ist weiblich und das sollte, nein, das muss sich auch in der Regierung widerspiegeln. Studien belegen ja: Gemischte Teams sind die besseren und Frauen haben andere Lösungsansätze.

Die FDP ist am männlichsten geprägt

Schade, dass das in der FDP noch nicht angekommen ist. Die Lindner-Partei ist die einzige, die mehr Männer in die Chefsessel der Ministerien bringt als Frauen. SPD und Grüne konnten das nicht ganz ausgleichen. Aber sei es drum. Denn etwas anderes ist viel wichtiger: Frauen bekommen in dieser Regierung Ministerien mit größerer Bedeutung.

Zum ersten Mal wird eine Frau Bundesinnenministerin: Nancy Faeser, die kennt zwar kaum jemand, aber wenn sie ernst macht mit dem, was sie sich vorgenommen hat, dann werden sie bald alle kennenlernen. Vor allem die Rechtsextremen in diesem Land, denn denen hat Faeser den Kampf angesagt. Endlich wird das zur Priorität, nachdem 16 Jahre lang die Innenminister der Union Rechtsextremimus als ein Thema unter vielen anderen gesehen haben.

Selbstverständlich können Frauen Außenpolitik

Mit Annalena Baerbock wird zum ersten Mal auch eine Frau Außenministerin. "Kann die das?", fragen diejenigen, die die Antwort selber geben: "Natürlich nicht." Sie ist ja jung und will Wladimir Putin und Xi Jinping die Stirn bieten. Und dann steht sie auch noch für eine feministische Außenpolitik. Böhmische Dörfer im konservativen Deutschland.

Deshalb wird es höchste Zeit, dass alle jene erfahren, dass einer Frau das sehr wohl zuzutrauen ist. Erst recht, weil eine Frau als Kanzlerin schon 16 Jahre Außenpolitik gemacht hat. "Mehr Fortschritt wagen", hat sich die Ampel-Regierung auf die Fahnen geschrieben. Sie muss jetzt beweisen, dass sie das auch umsetzen will und kann.

Die Auswahl des Personals mit vielen Frauen ist ein erster Fortschritt. Ein Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung - mehr aber nicht. Denn um Familien, Kinder und Bildung - also um das einst sogenannte "Gedöns" - kümmern sich auch in diesem Kabinett wieder mal keine Männer.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Dezember 2021 um 17:09 Uhr.