Kommentar

Witze während des Karnevals Kramp-Karrenbauer macht sich unmöglich

Stand: 04.03.2019 08:59 Uhr

In einer plumpen Karnevalsrede hat CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer Intersexuelle massiv beleidigt. Damit mache sie sich unmöglich, meint Vera Wolfskämpf. Auch im Karneval spreche sie als Parteivorsitzende.

Ein Kommentar von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Wie schwach: Witze über Minderheiten - und das aus einer Machtposition heraus. Keine richtigen Männer, irgendetwas dazwischen - so spricht die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer abwertend über Menschen, die nicht eindeutig in die Kategorie Mann oder Frau passen oder passen wollen.

Es mag sein, dass Karnevalswitze oft unter die Gürtellinie gehen und derbe Sprüche auf Kosten anderer für manchen Schenkelklopfer sorgen. Aber Kramp-Karrenbauer macht sich damit unmöglich.

Dümmlicher und wenig witziger Beitrag

Dabei ist sie ja selbst sozusagen Opfer geworden. Vor gut einer Woche machte sich ein Karnevalist über Frauen mit Doppelnamen im Allgemeinen und Kramp-Karrenbauer im Besonderen lustig.

Während diese das womöglich mit einem Achselzucken quittierte, wurde eine andere Frau mit Doppelnamen so wütend, dass sie die Bühne stürmte. Danach entzündete sich eine Debatte über diesen dümmlichen und wenig witzigen Karnevalsbeitrag. Und dabei reden wir von einem Mann, dessen Namen bis dato so gut wie keiner kannte und dessen Einfluss sich wenn überhaupt auf die fünfte Jahreszeit begrenzt.

Feingefühl und Würde gefragt

Frau Kramp-Karrenbauer dagegen ist nicht nur die "Putzfrau Gretel", als die sie seit Jahren mehr oder minder peinliche Karnevalsauftritte hinlegt. Sie ist jetzt die Chefin der Regierungspartei CDU. Was sie sagt, hat politisches Gewicht. Und da ist ein nötiges Maß an Feingefühl und Würde gefragt.

Mit einer plumpen Karnevalsrede verträgt sich das nicht. Ihre Rolle kann Kramp-Karrenbauer nicht einfach hinter einem Kostüm verstecken. Wenn sie Intersexuelle derart beleidigt, spricht da trotzdem die CDU-Chefin. Zumal sie ganz ohne rote Clownsnase schon mehrfach Homosexualität mit Inzest verglichen hat, was ein Affront und unsäglicher Unsinn ist.

Einer künftigen Kanzlerin nicht würdig

Kramp-Karrenbauer zeigt mit diesem Auftritt einmal mehr, dass sie keine Neuauflage ihrer Vorgängerin Angela Merkel ist. Sie hat ein deutlich konservativeres Weltbild und gibt sich volksnäher.

Während Merkel Karnevalsspektakel mit stoischer Miene über sich ergehen lässt, ist Kramp-Karrenbauer mittendrin. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Doch wenn sie billige Lacher kassieren will, indem sie fiese Sprüche über Minderheiten macht, dann ist das nicht im positiven Sinne volksnah, sondern kleinbürgerlich und reaktionär.

Einer künftigen Kanzlerin ist das jedenfalls nicht würdig. Oder qualifiziert sich so jemand dafür, an der Spitze eines modernen Deutschlands zu stehen? Das soll ja wohl ein Witz sein!

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 04. März 2019 um 07:46 Uhr im Morgenecho.

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