Kommentar

Tausende Menschen feiern einen Gottesdienst auf dem Schlossplatz in Münster  | Bildquelle: dpa

Bilanz Katholikentag Politisch und kontrovers wie selten

Stand: 13.05.2018 15:17 Uhr

Der Katholikentag passte in eine angespannte Weltlage - so kontrovers wurde lange nicht diskutiert. Und er zeigte: Gegensätze aushalten kann ein Zeichen der Nächstenliebe und damit eine Stärke sein.

Ein Kommentar von Theo Dierkes, WDR

Es war ein immens politischer Katholikentag in brenzliger Situation. Das Motto "Suche Frieden" passte genau zur Weltlage. Die klaren Worte von Politikern und Kirchenleuten kamen zur rechten Zeit. Die deutliche Ablehnung der neuen US-Politik. Ein Nein zu Angriffen auf Juden. Warnungen vor Hetze und Anschläge gegen Muslime. Da war die große Übereinstimmung, der Konsens spürbar - zwischen Politiken und Kirchenoberen, aber auch mit dem Publikum.  

Den lautesten Widerspruch gab es gegen die Teilnahme des kirchenpolitischen Sprechers der AfD, Volker Münz, auf einem Podium zum Thema Kirche und Staat. Beim jüngsten Katholikentag vor zwei Jahren in Leipzig hatten die Verantwortlichen einen solchen Auftritt noch ausgeschlossen.

Die Unterschriftenaktion dagegen, eine Demonstration und Zwischenrufe bis hin zur Unterbrechung der Veranstaltung zeigten, dass hier nicht einfach Gegensätze übertüncht wurden. Selten war eine Veranstaltung beim Katholikentag so umstritten wie diese in Münster.

Gegensätze ertragen als Ausdruck der Nächstenliebe

Dass der Dialog - wenn auch wirklich unter Mühen - in dieser Veranstaltung funktioniert hat, ist ein Verdienst und vielleicht eines der wichtigen Zeichen des Christentreffens. Hier werden fremde Positionen ausgehalten. Das Ertragen von Gegensätzen ist ein Ausdruck der Nächstenliebe.

Deutlich wurde aber auch, dass es in manchen kirchlichen Fragen keine Einigkeit gibt. Beim Wunsch nach deutlichen Fortschritten im evangelisch-katholischen Verhältnis scharrte die Katholikentags-Basis vernehmbar mit den Füßen und manche Bischöfe bremsten vernehmlich.

Der evangelische Christ Eckhart von Hirschhausen formulierte die kritische Position unter lautem Applaus und sprach offenbar vielen aus der Seele: Die öffentliche Diskussion über Oblaten sei irrelevant gegenüber wirklich wichtigen Themen wie der Zerstörung der Lebensgrundlagen für Kinder und Enkel.

Konflikte bleiben bestehen

Gegenpositionen kamen vor allem von den Bischöfen aus Köln und Regensburg. Deutlich spürbar: Münster hat es nicht geschafft, die Uneinigkeit der Bischöfe zu überwinden. Gegensätzlichkeit und Konflikte bleiben. Das kann auch das Bild der zwei zerstrittenen Kardinäle Rainer Woelki und Reinhad Marx am Altar im Schlussgottesdienst nicht übertünchen.

Kardinal Reinhard Marx und Kardinal Rainer Maria Woelki | Bildquelle: dpa
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Kardinal Reinhard Marx (r), Erzbischof von München und Freising, und Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln

Die großen Zahlen und das vorzügliche Wetter sind bessere Zeichen dieses gut gelungenen Katholikentags. Mehr als doppelt so hohe Beteiligung als beim letzten Mal. Das zeigte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: Wir sind viele. Auch die Münsteraner selbst werden sich die Augen gerieben haben darüber, wie freundlich und wie anders sich ihre Stadt darstellen kann. Der Katholikentag hat der Stadt gut getan und die Stadt dem Katholikentag.

Abschlusskommentar Katholischer Kirchentag 2018
Theo Dierkes, WDR
13.05.2018 14:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. Mai 2018 um 17:10 Uhr und 17:12 Uhr.

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