UN-Klimakonferenz COP15 In Kopenhagen wartet ein Dinosaurier auf Dirk Niebel

Stand: 11.12.2009 16:16 Uhr

Als erster deutscher Minister hat Dirk Niebel die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen besucht. Doch auf den Entwicklungsminister warteten nicht nur Gesprächspartner - auch der von Umweltschützern verliehene Negativpreis "Fossil of the Day" stand zur Abholung bereit.

Von Alexander Richter, tagesschau.de, zzt. Kopenhagen

Preisverleihung des "Fossil of the Day"
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Auch die Politik Deutschlands wurde bei der Klimakonferenz in Kopenhagen mit dem Negativpreis "Fossil of the Day" bedacht.

Dinosaurier sind für Behäbigkeit, ihr Missverhältnis zwischen Körpergewicht und Hirnmasse sowie ihr kollektives Ableben vor etwa 65 Millionen Jahren bekannt - kurzum, keine Spezies der es nachzueifern gilt. Doch Umweltschützer in Kopenhagen sehen - zumindest in Teilen - Übereinstimmungen zwischen den ausgestorbenen Reptilien und der Politik der schwarz-gelben Bundesregierung: Seit Donnerstag darf sich die Regierung zu den Preisträgern des "Fossil of the Day" zählen; eine Auszeichnung, die sicherlich keinen Ehrenplatz in der imaginären Pokalvitrine der Bundesregierung finden dürfte.

Mit Witz gegen Klimafrust

Dafür wecken die täglichen "Fossil"-Preisverleihungen im Kopenhagener Bella Zentrum, wo die UN-Klimaverhandlungen stattfinden, großes Interesse. Allabendlich gegen 18 Uhr bildet sich in der Halle, die unweigerlich auf dem Weg zum Ausgang passiert werden muss, eine Menschentraube - lacht, johlt, singt, klatscht und buht. Im Halbkreis stehen Verhandler, Organisationsvertreter, Journalisten und Besucher um einen Stand, der von einen Dinosaurier-Konterfei geschmückt wird, das mit dem Plakat für Steven Spielbergs Blockbuster "Jurassic Park" nahezu identisch ist. Im Zentrum des Halbkreises singen junge, kostümierte Klimaaktivisten, fordern die Umstehenden zum Mitmachen auf und ziehen mit viel Fantasie und Humor die große Politik durch den Kakao.

"Fossil of the Day" - im Namen von 450 Organisationen

Text der Hymne des "Fossil of the Day"
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Die Preisverleihung ist mit reichlich Humor und Klamauk gespickt.

Das Spektakel ist seit seinen Anfängen 1999 zum festen Bestandteil von UN-Klimakonferenzen geworden und findet zunehmende Beachtung. Auch wenn der moralische Zeigefinger hinter der Clownsnase versteckt wird, das verfolgte Anliegen ist ernst. Etwa 450 Organisationen aus aller Welt des "Climate Action Network" wollen so auf - aus ihrer Sicht - Missstände bei den Verhandlungen aufmerksam machen. Sie benennen für die Dauer der Konferenzen täglich drei Preisträger des "Fossil of the Day".

Nun traf eben es auch erstmals Deutschland - genauer, Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung und namentlich Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. In der vergangenen Woche hatte die Koalition einen Antrag in den Bundestag eingebracht, wonach jene Gelder, die als Ausgleich für die Folgen des Klimawandels an ärmere Länder gezahlt werden, auf die von Deutschland geleistete Entwicklungshilfe angerechnet werden sollen. Im Klartext: Es soll kein zusätzliches Geld für die Klimaausgleichszahlungen geben. Vielmehr sollen die Mittel der Entwicklungshilfe entzogen werden.

"Es ist eine Beleidigung"

"Es ist eine Beleidigung, sich vorzustellen, dass zugesagtes Geld zur Hunger- und Malaria-Bekämpfung sowie zum Grundschulbau in den Entwicklungsländern weggenommen und den Vereinbarungen zur Bewältigung des Klimawandels genutzt werden soll", begründete die "Fossil of the Day"-Jury ihre Entscheidung. Die Umweltschützer forderten die Bundesregierung und die EU auf, die Klimagelder zusätzlich bereitzustellen.

Nun kam der Adressat der Kritik zur Klimakonferenz nach Kopenhagen: Entwicklungsminister Niebel. Der FDP-Politiker verhandelte über eben jene Zahlungen an ärmere Länder, die unter dem Klimawandel zu leiden haben werden. Unweit des "Fossil of the Day"-Stands will er am Abend einen Bierempfang geben und seine neue Politik im lockeren Gespräch erklären. Auf dem Weg dorthin könnte Niebel "seinen" Preis abholen - nur damit rechnet niemand.

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