Jahresrückblick 1984 Umweltkatastrophen

Stand: 16.12.2010 14:41 Uhr

In Berlin ist die Luft knapp. Smog, vermutlich aus zwei Kohlekraftwerken im Raum Offleben in Niedersachsen, treibt über die Bundesrepublik. Die Kraftwerke werden mit schwefeliger Braunkohle beheizt. Trotz der Umweltbelastung soll ein weiteres Kraftwerk gebaut werden: Buschhaus. In Bonn ist man sich darüber einig, dass es nur mit einer Entschwefelungsanlage betrieben werden durfte. Kurze Zeit später beschließt man in einer Eilsitzung des Bundestags, dass Buschhaus doch ohne Entschwefelung ans Netz gehen soll.

Umweltauto

Der schlechte Zustand des Waldes führt zu einer Verschärfung der Diskussion um das Umweltauto. Sollen Katalysatoren eingeführt werden? Wenn ja, wann? Steuererleichterungen für Katalysator-Wagen sollen zum Kauf anregen. Auch wird für 1989 ein Verbot für Autos ohne Katalysator beschlossen. Die Hälfte des Waldes ist bereits krank. Das Tempolimit wird abgelehnt. Auf deutschen Autobahnen herrscht weiter freie Fahrt.

Dioxin in Hamburg

Aus einer Mülldeponie bei Hamburg ist Dioxin gesickert. Es stammt vermutlich aus einem Hamburger Chemiewerk, der Firma Boehringer. Hier soll jahrelang Dioxin auf den Müll gekippt worden sein. Die Firma erhält strenge Auflagen. Ihr wird auch die Lagerung von Dioxinabfällen auf dem eigenen Gelände untersagt. Nach einem verlorenen Prozess vor dem Hamburger Landgericht beendet Boehringer die Produktion und schließt das Werk.

Dioxinvernichtung möglich

In der Schweiz fand der Chemiekonzern Hoffmann-LaRoche eine Möglichkeit, Dioxin schadlos zu vernichten. Der Konzern hatte die 1983 wiederaufgefundenen Seveso-Fässer zur Vernichtung zurückerhalten. Die Verbrennung von Dioxinabfällen bei 1500 Grad in einem Spezialofen wandelte das Gift zu 99,999 Prozent in harmlosen Wasserdampf um.

Senfgas vor Dänemark

Dänische Fischer fanden auf dem Grund der Ostsee Senfgas aus dem zweiten Weltkrieg. Sieben Fischer trugen schwere Verätzungen davon. Senfgas war auch im Golfkrieg zwischen Iran und Irak immer wieder eingesetzt worden. Auf dem Meeresboden ruhten weitere tausende Tonnen des gefährlichen Kampfgases.

Frachterunglück

Im Oktober wurde der französiche Frachter Mon Louis vor der belgischen Küste von einer Kanalfähre gerammt. Er ging unter. Mit ihm versanken 30 Fässer mit hochgiftigen und leicht radioaktiven Kernbrennstoffen. Diese sollten in der Sowjetunion angereichert werden. Nach 40 Tagen gelang es den Bergungsmannschaften, das letzte Fass aus dem Wrack zu holen.

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