Jahresrückblick 1982 Entwicklung in Europa

Jahresrückblick 1982 Entwicklungen im europäischen Ausland

Stand: 15.12.2010 22:14 Uhr

Die europäische Hauptsorge bleibt auch 1982, wer wieviel in die gemeinsame Kasse einzahlen soll. In den einzelnen Mitgliedsländern geschieht Einiges.

Spanien

In Spanien festigt sich die Demokratie. Bei den Wahlen im Oktober erringt die sozialistische Arbeiterpartei unter Felipe Gonzalez in beiden Häusern des Parlaments die absolute Mehrheit. Die bisherige Regierungspartei UCD, sowie die rechts- und linksextremen Parteien sinken zur Bedeutungslosigkeit herab. Kurz vorher wird ein Militärputsch aufgedeckt, der den Sieg der Sozialisten verhindern soll.

Drei Tage nach den Wahlen trifft der Papst zum Abschluss seines Reiseprogramms durch die ganze Welt in Spanien ein.

Dänemark

Nahezu unauffällig vollzieht sich der Regierungswechsel in Dänemark. Das Land hat zehn Prozent Arbeitslose und über 30 Milliarden Mark Schulden im Ausland. Neuer Regierungschef wird Poul Schlüter, der mit seiner bürgerlichen Minderheitsregierung und drastischen Kürzungen der Sozialausgaben die dänische Wirtschaft retten will. Er löst die sozialdemokratische Minderheitsregierung unter Ankor Jörgensen ab.

Schweden

In Schweden übernehmen nach sechs Jahren in der Opposition wieder die Sozialdemokraten unter Olof Palme die Regierung. Gemeinsam mit den Kommunisten erreichen sie eine regierungsfähige Mehrheit. Steuererhöhungen und Arbeitgeberabgaben sollen den Haushalt sanieren helfen. Gleichzeitig sollen Kindergeld und Arbeitslosenunterstützung steigen.

Mehr als die Politik beschäftigt Schweden ein unbekanntes Unterseeboot, das vor der Küste in der Nähe einer Marinebasis vermutet wird. Die Suche bleibt aber ohne Erfolg.

DDR

Neben Ungarn entwickelt sich die DDR zum erfolgreichsten Industrieproduzenten Osteuropas. Besonders erfolgreich ist die Herstellung von Hochseeschiffen in Stralsund. Um die sowjetische Nachfrage zu decken, läuft alle zehn Tage ein Schiff vom Stapel.

Grosse Engpässe gibt es aber in der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. In diesem Sommer gibt es sogar in den Hafenstädten keinen Frischfisch.

In der Deutschen Frage gilt die Devise des vorsichtigen Abwartens. Anfang des Jahres hatten trotz der unterschiedlichen Bewertung Goethes die beiden deutschen Goethegesellschaften am Grabe Goethes in Weimar gemeinsam des deutschen Kulturerbes gedacht.

Die beiden deutschen Verkehrsminister eröffnen gemeinsam die neue Autobahntransitstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Probleme im Schienenverkehr sollen noch verhandelt werden.

Allgemein herrscht auf beiden Seiten der Grenze großes Interesse für die deutsch-deutsche Entwicklung unter der neuen Regierung.

Polen

Zu Beginn des Jahres befindet Polen sich im sogenannten Kriegswinter. Militär und Milizen beherrschen das Bild, das Land ist von der Außenwelt nahezu abgeschlossen. Kriegsrecht bedeutet Militär- und Schnellgerichte, Entlassung, Internierung und Verhaftung. Über 10.000 Menschen werden insgesamt in sogenannte Isolationszentren gebracht. Über Monate scheint die Massenbewegung der "Solidarität" vergangen. Am 1. Mai zeigt sich, das die Bewegung immer noch aktiv ist. Über 100.000 Menschen protestieren auf den Straßen gegen die Herrschaft des Militärrates. Die nationale Verständigung zwischen Volk und Regierung ist in weite Ferne gerückt. Nach dem 1. Mai kommt es in regelmäßigen Abständen zu Unruhen und Straßenschlachten in fast jeder polnischen Großstadt. Ein hohes Polizeiaufgebot und eine starke Präsenz der Staatsmacht können die Bewegung nicht verhindern. Da die Kirchen vom Versammlungsverbot ausgenommen sind, werden kirchliche Märsche zu Protestzügen. Die gespaltene Haltung der Kirche, die zur Besonnenheit aufruft, führt zur Kritik der Bevölkerung und innerhalb der Kirche.

Im Herbst verbietet das Parlament die Gewerkschaft "Solidarität". Eine neue, mit wesentlich weniger Kompetenzen ausgestattete Gewerkschaft wird gebildet. Zum Jahresende soll das Kriegsrecht ausgesetzt werden. Im November scheitert ein von der "Solidarität" ausgerufener Generalstreik.

Um Proteste zu verhindern, werden viele Internierte freigelassen, allen voran Lech Walesa. Doch der Arbeiterführer erhält von den Behörden keinen politischen Spielraum.