Jahresrückblick 1981 Aufrüstung und Friedensdemonstrationen

Stand: 15.12.2010 16:28 Uhr

"Die Vereinigten Staaten sind bereit, die Entwicklung von Pershing II und bodengestützten Raketen zu stoppen, wenn die Sowjets ihre SS-20-, SS-4-, und SS-5-Raketen abmontieren", verkündet US-Präsident Ronald Reagan am 18. November. Diese sogenannten "Null-Option" ist in erster Linie ein Zugeständnis an die Europäer. Gleichzeitig reagiert er auf Friedensangebote des sowjetischen Staatspräsidenten Leonid Breschnew.

Die US-Regierung glaubt sich im Zugzwang, da Forschungsinstitute eine Unterlegenheit des Westens im Bereich der Atomwaffen errechnet haben. Verteidigungsminister Casper Weinberger plädiert sogar für die Stationierung der Neutronenbombe in Europa. Er und Außenminister Alexander Haig sind sich darin einig, dass nur eine ausgeglichene Bedrohung den Frieden wahren kann.

Außenministertreffen in Genf

Am Rande der UN-Vollversammlung Ende September kommt es auf Drängen der Bundesregierung zu einem amerikanisch-sowjetischen Außenministertreffen. Haig und sein sowjetischer Amtskollege Andrej Gromyko verabreden Verhandlungen über die Beschränkung der Mittelstreckenraketen in Europa. Von den Verhandlungen in Genf dringt nichts an die Öffentlichkeit: Die Unterhändler verhängen eine Nachrichtensperre. Aber die US-Delegation spricht von schweren Problemen, die die Partner trennen. Bundeskanzler Helmut Schmidt knüpft sein politisches Schicksal an den Erfolg der Verhandlungen.

Friedensdemonstration in Bonn

In ganz Europa demonstrieren Menschen gegen Atomwaffen in Europa und auf der ganzen Welt. Die größte Demonstration findet am 10. Oktober in Bonn statt. Etwa 300.000 Menschen folgen dem Aufruf der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste und der Aktionsgemeinschaft für den Frieden. Hunderte anderer Organisationen schließen sich den evangelischen Organisationen an. Entgegen der Befürchtungen vieler Politiker verläuft der Protest friedlich, auf der Kundgebung sprechen Erhard Eppler aus dem SPD-Präsidium und der Schriftsteller Heinrich Böll.

Breschnew in der Bundesrrepublik

Auch der Besuch des sowjetischen Staatschefs Leonid Breschnew in der Bundesrepublik am 15. November kann die Meinungsverschiedenheiten in der Rüstungsfrage nicht beenden. Der sowjetische Vorschlag von einem Einfrieren der Raketenbestände auf dem derzeitigen Stand wird von den NATO-Staaten mehrheitlich abgelehnt.

Sowjetisches U-Boot vor Schweden

Die Friedensapelle der Sowjets klingen weniger glaubwürdig, nachdem am 28. Oktober ein sowjetisches U-Boot vor dem schwedischen Karlskrona auf Grund läuft. Der Kapitän erklärt, ein Kompassfehler habe ihn in den Fjord vor dem Marinestützpunkt fahren lassen. Den schwedischen Behörden reicht diese Erklärung nicht aus.

Darstellung: