Jahresrückblick 1981 Krisenherd Naher Osten

Stand: 15.12.2010 17:15 Uhr

In Kairo wird der ägyptische Staatschef Muhammad Anwar As Sadat erschossen. Das erwartete Chaos in Ägypten bleibt aber aus. Die Attentäter kommen vor ein ordentliches Gericht und ihren Verteidigern soll Zeit zur Vorbereitung auf das Verfahren gelassen werden. Sadat arbeitete bis zuletzt an der Umsetzung des Friedensabkommens von Camp David. Seine Beisetzung erfolgt unter großer internationaler Anteilnahme. Sein Nachfolger Hosni Mubarak verspricht eine Fortsetzung der Politik des Ausgleichs.

Golan-Höhen annektiert

In Israel beschließt das Parlament auf Drängen Begins die formelle Annexion der seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzten syrischen Golan-Höhen. Die im nachhinein empörte Welt ist gerade mit der Krise in Polen und die Araber mit Streitigkeiten untereinander beschäftigt. Israel braucht daher nicht mit Gegenwehr rechnen. Die Golan-Höhen gelten als strategisches Faustpfand, so dass Israel die Verstimmung des wichtigen Partners USA in Kauf nimmt. Die Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten birgt weiteren Zündstoff. Einen saudi-arabischer Acht-Punkte-Plan zur Lösung des palästinensischen Autonomieproblems beantwortet Israel damit, dass "für jeden der acht Punkte acht neue Siedlungen gebaut würden". Zudem werden im arabischen Westjordanland neue Synagogen eingeweiht.

Krieg im Libanon

Im Libanon kommt es zum Krieg. Libanesische und syrische Truppen, christliche Milizen und israelische Kommandos lauern einander auf. Bei der Bombardierung einer PLO-Zentrale kommen 300 Menschen mangels Fluchtmöglichkeiten um. Die wichtigsten Verbindungsstraßen stehen unter Feuer.

Waffenstillstand vereinbart

Die Forderung Israels, Syriens Bodentruppen sollten die sowjetischen SAM-Raketen abziehen, sorgen für ein Zuspitzung der Lage. Syrien schoss damit mehrere israelische Aufklärungsflugzeuge ab. Syrien gibt der Forderung nach. Der amerikanische Unterhändler Habid verkündet am 24. Juli einen Waffenstillstand zwischen Jerusalem und Damaskus.

Israel bombardiert Atomreaktor

Wie entschlossen Israel auf Bedrohungen von außen reagiert, zeigt die Bombardierung des irakischen Atomreaktors bei Bagdad. Begründet wird der Angriff damit, dass dort Atomwaffen gegen Israel hätten entwickelt werden können. Begin erklärt, Israel werde nie wieder einen Holocaust gegen das jüdische Volk zulassen.

Muskelspiel zwischen Libyen und USA

Revolutionsführer Muammar al Gaddafi verkündet in regelmäßigen Abständen Tod und Vernichtung für alle Ungläubigen. Mit den Geldern aus seinen Ölexporten kann er ein Waffenarsenal von bedrohlicher Stärke ansammeln. Bei einem Manöver der sechsten US-Flotte im Mittelmeer greifen libysche Jagdflugzeuge an, weil Gaddafi sein Hoheitsgebiet verletzt glaubt. Zwei Maschinen werden von den Amerikanern abgeschossen. Reagan erklärt, die Flotte habe sich in internationalen Gewässern aufgehalten. Mit Manövern in der Wüste bei Kairo und Radarflugzeugen für Ägypten und Saudi-Arabien will die USA im Nahen Osten Stärke demonstrieren.

Konflikte in Iran

Im Januar werden die Angehörigen der US-Botschaft in Teheran aus Iran freigekauft. Ayatollah Khomenei führt dort einen erbitterten Kampf gegen die Ungläubigen. Unzählige Menschen werden öffentlich hingerichtet. Bei Bombenanschlägen sterben Minister und Parteigänger Khomeneis. Die Beerdigungen werden zu Massenprotesten gegen die "Feinde des Islam" umfunktioniert.

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