Jahresrückblick 1965 Frankreich und die Bündnisse

Stand: 06.12.2010 20:01 Uhr

Eine Gegenüberstellung des Kernwaffenpotenzials in der Welt zeigt, dass die USA und an zweiter Stelle die Sowjetunion das größte Potenzial an Kernwaffen haben. Die europäischen Nuklearmächte sowie der chinesische Waffenbestand fallen dagegen kaum ins Gewicht.

Nicht nur die Anzahl der vorhandenen Kernwaffen ist wichtig, auch die Möglichkeit, die atomaren Sprengköpfe zu transportieren, muss berücksichtigt werden. Nur die USA und die Sowjetunion besitzen Raketen und Flugzeuge, die von ihrer Anzahl und Leistungsfähigkeit her in der Lage sind, einen Atomkrieg zu ermöglichen.

Frankreich, Großbritannien und Deutschland sind für sich allein nicht in der Lage, ihr Land zu verteidigen. Insofern ist im Moment ein Bündnis mit einer der Supermächte notwendig.

Diese Überlegungen zeigen, dass ein Bündnis der europäischen Staaten ebenso sinnvoll wäre. In diesem Jahr erleben die innereuropäischen Einigungsbemühungen einen Rückschlag. Die neue Autokratie General Charles de Gaulles in Frankreich verändert das europäische Denken.

Die Person de Gaulles ist auch in Frankreich umstritten. Seine Gegner verbünden sich, um eine Chance zu haben. Die Kommunisten und Sozialisten stellen sich als gemeinsame Volksfront zur Wahl, die Französische Mitte versucht, die Menschen durch ein klares Bekenntnis zu einer europäischen Einigung zu begeistern. Der Kandidat der Volksfront, Francois Mitterrand, führt einen modernen Wahlkampf. Im ersten Wahlgang erringen die Konkurrenten de Gaulles die Stimmenmehrheit. Im zweiten Wahlgang kann aber doch de Gaulle gewinnen.

Den französischen Alleingang bestätigt de Gaulle durch die Aufnahme einer eigenen Ost-Politik. Bei einem Besuch des polnischen Ministerpräsidenten knüpft Frankreichs Präsident an die traditionelle polnisch-französische Freundschaft an und lässt sich auf die Oder-Neiße-Grenze festlegen.

Bei einem Besuch des französischen Außenministers in Moskau kommt den Sowjets die NATO-Ablehnung und de Gaulles Eintreten gegen die europäische Einigung entgegen. Das deutsch-französische Verhältnis erlebt einen kurzen Frühling. Der Unwille des neuen anti-europäischen französischen Nationalismus richtet sich vor allem gegen den Präsidenten der EWG-Kommission, Professor Hallstein.

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