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Festnahme von Terrorverdächtigem Islamist ging in die Falle

Stand: 29.06.2021 15:58 Uhr

In Baden-Württemberg ist ein deutscher Islamist festgenommen worden, der in Frankreich lebt. Er soll geplant haben, im Darknet ein Sturmgewehr für einen Anschlag zu kaufen. Die Ermittler stellten ihm eine Falle.

Von Florian Flade, WDR

Das Geld für die Waffe soll der Mann schon wie verabredet dabei gehabt haben. Mehrere Hundert Euro in Bar. Er soll geplant haben, damit ein Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow zu kaufen. Was der Mann offenbar nicht ahnte: Die Ermittler hatten ihn längst im Blick. Sie hatten den vermeintlichen Waffenverkauf vorgetäuscht.

Florian Flade

Am vergangenen Donnerstag, dem 24. Juni, nahmen Spezialkräfte der baden-württembergischen Polizei den 21-jährigen Terrorverdächtigen in Kehl fest, er war kurz zuvor aus Frankreich eingereist. Es handelt sich um einen deutschen Staatsbürger, geboren in Mainz, der dem "radikal-islamistischen Spektrum" zugeordnet wird und zuletzt in Frankreich wohnhaft war.

Der Mann befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und des versuchten unerlaubten Erwerbs einer Kriegswaffe.

Schon länger im Visier der Sicherheitsbehörden

Nach WDR-Informationen waren deutsche Sicherheitsbehörden vor einiger Zeit auf den nun festgenommenen Islamisten aufmerksam geworden. Er soll auf dschihadistischen Internetplattformen andeutet haben, dass er einen Anschlag begehen wolle und sich dafür bereits Anleitungen zum Bombenbau besorgt habe. Außerdem wolle er sich eine Waffe beschaffen, möglicherweise im Darknet, einem besonders geschützten Teil des Internets.

Die Ermittler konnten den Mann schließlich identifizieren. Er lebte zuletzt in Frankreich, im Großraum Paris, war davor in Deutschland wohnhaft. Gemeinsam mit den französischen Behörden gelang es den Ermittlern des baden-württembergischen Landeskriminalamtes (LKA) dann dem Mann eine Falle zu stellen: Sie nahmen online Kontakt zu ihm auf und schlugen ihm vor, ein Sturmgewehr zu kaufen. Der Islamist soll auf das Angebot eingegangen sein und schließlich nach Deutschland gefahren sein, offenbar in der Hoffnung dort den angeblichen Waffenverkäufer treffen zu können.

Bei seiner Festnahme stellten die Ermittler Bargeld und zwei Mobiltelefone sicher, die nun ausgewertet werden. Zudem durchsuchten französische Polizisten, unterstützt durch deutsche Ermittler, die Wohnung des Terrorverdächtigen bei Paris. Ein genaues Anschlagsziel soll der Festgenommene nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft noch nicht ins Auge gefasst haben. Auf Nachfrage wollte die Karlsruher Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben zu dem Fall machen und verwies auf die noch andauernden Ermittlungen.

Illegaler Waffenhandel im Darknet

Das BKA und mehrere Cybercrime-Abteilungen bei den Landespolizeien befassen sich seit einigen Jahren mit dem illegalen Waffenhandel über Verkaufsplattformen im Darknet, auf denen sonst vor allem Drogen, gestohlene Kreditkartendaten oder Falschgeld angeboten wird. In mehreren Fällen konnten schon Verkäufer von illegalen Waffen ermittelt und auch verurteilt werden. Sie hatten Waffen unterschiedlicher Art angeboten, etwa Dekowaffen, die zu funktionsfähigen Schusswaffen umgebaut worden waren.

Der Attentäter, der im Juli 2016 am Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen erschossen hat, hatte sich seine Tatwaffe, eine Pistole vom Typ Glock 17, und rund 500 Schuss Munition zuvor über das Darknet gekauft. Der Verkäufer der Waffe wurde anschließend von den Ermittlern identifiziert und festgenommen. Im Januar 2018 verurteilte das Landgericht München I den Mann wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen, fahrlässiger Körperverletzung und zahlreicher Verstöße gegen das Waffengesetz zu sieben Jahren Gefängnis.