Bundeswehrsoldaten bei einer Übung. | dpa
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Bundeswehr-Soldaten Weitere Razzien nach Waffenfund

Stand: 11.05.2021 19:13 Uhr

Im Februar wurden illegale Waffen, Munition und Sprengstoff bei einem Bundeswehrsoldaten in Hessen gefunden. Nun gab es weitere Durchsuchungen. Die Ermittler prüfen, ob es ein Netzwerk gibt.

Von Florian Flade, WDR 

Was die Ermittler im Februar in dem ziemlich maroden Haus im hessischen Glashütten (Hochtaunus) fanden, platzierten sie auf einem Bett und machten Fotos davon. Ein Jagdgewehr samt Zielfernrohr und Munition ist darauf zu sehen, ebenso eine Pistole, mehr als ein Dutzend Messer, ein Beil und zahlreiche Patronen.

Florian Flade

Auch alte Kriegsmunition, Granaten und Schwarzpulver entdeckte die hessische Polizei bei der Hausdurchsuchung. Die Bewohner des Hauses, ein Vater und seine beiden Söhne, wurden festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft, ihnen werden Verstößen gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz sowie Volksverhetzung vorgeworfen.

Anzeige wegen Körperverletzung

Gegen einen der Söhne war zuvor ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, nachdem seine ehemalige Lebensgefährtin ihn der Körperverletzung bezichtigt hatte. Sie soll die Polizei zudem gewarnt haben: Ihr Ex-Freund, ein Bundeswehrsoldat, horte zuhause Waffen und Munition, und bereite sich womöglich auf einen Umsturz vor.

Er besitze eine Schrift mit dem Titel "Wie man die Macht in Deutschland übernehmen könnte". Ein entsprechendes Papier hatten die Ermittler bei der Razzia auch entdeckt. 

Am Dienstagmorgen nun gab es weitere Durchsuchungen in vier Bundesländern. In Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Niedersachsen durchsuchten Beamte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mehrere Wohnungen und auch Liegenschaften der Bundeswehr. 

Es handele sich um Maßnahmen in einem Verfahren wegen des Verdachts des "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen", teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit. Allerdings richte sich das Verfahren nicht gegen einen Soldaten. Weitere Details nannte sie "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht.

Ermittler suchen nach Netzwerk

Nach Informationen des WDR gehen die Ermittler des hessischen Landeskriminalamtes der Frage nach, ob die Festgenommenen aus Glashütten mit weiteren Personen in Verbindungen standen, die der rechtsextremistischen Szene oder dem "Reichsbürger"-Milieu angehören. Unter anderem soll es dabei um die Aufklärung von Chatgruppen gehen, die auf Mobiltelefonen entdeckt wurden, die im Februar sichergestellt worden waren. 

In den vergangenen Wochen sollen auch das Bundesamt für Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst die Kontaktpersonen des verdächtigen Soldaten überprüft haben und auf entsprechende Hinweise gestoßen sein. Der Soldat, der am Standort Pfullendorf in Baden-Württemberg eingesetzt war, sein Vater und sein Bruder werden von den Sicherheitsbehörden mittlerweile als Rechtsextremisten eingestuft.