Deutsche Bank | Bildquelle: REUTERS

Deutsche Bank Geschenke für Chinas Mächtige

Stand: 14.10.2019 18:13 Uhr

Um in China erfolgreich zu sein, setzte die Deutsche Bank offenbar jahrelang auf ein fragwürdiges System aus Geschenken, Gefälligkeiten und Geldzahlungen. Das zeigen interne Unterlagen, die WDR, SZ und "New York Times" auswerten konnten.

Von Petra Blum und Massimo Bognanni, WDR

Die vertraulichen Dokumente füllen viele Seiten: Anwaltsgutachten, E-Mails, Niederschriften von Interviews. Die Deutsche Bank gab sie selbst in Auftrag, um mögliche Korruption in den eigenen Reihen aufzudecken, zu einem Zeitpunkt, als die amerikanische Börsenaufsicht wegen des Chinageschäfts schon ermittelte.

Es geht in den Unterlagen oftmals um die Frage, ob sich die größte deutsche Bank mit korrupten Praktiken zwischen 2002 und 2014 in China Aufträge gesichert hat. Das Ergebnis der Untersuchung, die WDR, "Süddeutscher Zeitung" und "New York Times" vorliegt, zeichnet das Bild eines zumindest höchst zweifelhaften Geschäftsgebarens der Deutschen Bank auf dem chinesischen Markt.

Deutsche Bank verteilte offenbar jahrelang Geschenke an einflussreiche Chinesen
tagesschau 12:00 Uhr, 15.10.2019, M. Kerstolt, P. Blum, M. Bognanni, WDR

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Kristalltiger und Luxusreisen

Ein wesentlicher Teil der Untersuchung befasst sich mit dem damaligen Chairman der Deutschen Bank China, Lee Zhang, der intern "Mister China" genannt wurde. Er war offenbar intern bekannt dafür, dass er mit Geschenken an einflussreiche Landsleute nicht sparte: Eine lange Liste von Geschenken an Manager von staatseigenen Betrieben oder auch hochrangigen Chinesen aus dem politischen Betrieb des Landes wurde intern erstellt, als die Bank begann, das Verhalten von Lee Zhang aufzuarbeiten.

Kristalltiger für 15.000 Dollar, hochwertige Stereoanlagen, Fernseher, Sofas oder sogar Luxusreisen für Entscheidungsträger staatseigener chinesischer Betriebe sollen verschenkt worden sein, offenbar um die Deutsche Bank ins Geschäft zu bringen. Das war noch nicht alles: Um ein Treffen zwischen Josef Ackermann und dem damaligen Präsidenten Chinas, Jiang Zemin, zu arrangieren, soll die Deutsche Bank 100.000 Dollar an eine Beratungsfirma gezahlt haben.

Deutsche Bank in New York | Bildquelle: AFP
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Die Deutsche Bank gab die interne Untersuchung in Auftrag, als die US-Börsenaufsicht ermittelte.

Ominöse Berater

Im Jahr 2014 verklagte die Bank dann Lee Zhang, weil er Gelder der Bank in Millionenhöhe veruntreut haben soll. Der Vorwurf: Lee Zhang habe in China zweifelhafte externe Berater eingestellt, die der Bank helfen sollten, sich in der chinesischen Wirtschaft und Politik zurechtzufinden. Die Bezahlung der Externen fiel schon mal üppig aus, zum Beispiel drei Millionen Euro für sechs Monate Beratung. Damit spielte so mancher Berater in der Gehaltsliga der Bankvorstände um den damaligen Chef Josef Ackermann.

Mitarbeiter der Compliance- und Rechtsabteilung schöpften frühzeitig Verdacht. Gab es die ominösen Berater überhaupt? Rechercheure wurden angeheuert, konnten aber keine Klarheit bringen. Außer Lee Zhang kannte die millionenschweren Berater kaum einer. Die internen Juristen schlugen Alarm: Waren die angeblichen Berater Strohmänner für Politiker? An wen ging das Geld? Warum gab es keine Dokumentation für die angeblichen Beratungsleistungen? Vor allem: Warum hatte kaum jemand außer Lee Zhang jemals die Berater persönlich getroffen?

Das Unfassbare: Statt die Geldflüsse zu stoppen, soll die Deutsche Bank nochmal Millionen an angebliche Beratungsfirmen überwiesen haben.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa
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Die Deutsche Bank soll Millionen zusätzlich an angebliche Beratungsfirmen überwiesen haben.

Lee Zhang hüllt sich in Schweigen

Dass die ignorierten Warner innerhalb der Bank womöglich richtig lagen, zeigt ein Blick in die Panama Papers, das Leak der ehemaligen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca: Zwei der angeblichen Beratungsfirmen, die im internen Untersuchungsbericht der Deutschen Bank genannt werden, waren bei der umstrittenen Kanzlei registriert.

Alleinige Inhaberin war demnach eine Frau, deren ebenfalls von Mossack Fonseca dokumentierte Ausweis-Nummer sie als Lee Zhangs Frau zu erkennen gibt. Die Bank wollte auf die Frage, warum Lee Zhangs Frau die Inhaberin zweier angeblich externer Beratungsfirmen war, die Millionen von der Bank kassierten, nicht antworten. Lee Zhang hüllte sich ebenfalls zu allen Fragen in Schweigen.

"Prinzlinge" gegen Aufträge

Die vertrauliche Untersuchung brachte ein weiteres fragwürdiges System ans Licht: Die Deutsche Bank soll in China und Hongkong Hunderte möglicher "Prinzlinge" eingestellt haben, also Verwandte hochrangiger Beamter und Chefs staatseigener chinesischer Betriebe, oft um im Gegenzug Aufträge dieser Unternehmen zu ergattern. Berechnungen einer beauftragten Anwaltskanzlei zufolge könnte das der Bank Aufträge in dreistelliger Millionenhöhe eingebracht haben. Mehr als 200 potentielle "Prinzlinge" fand die Kanzlei bei der Deutschen Bank in Asien.

Außer ihrer Verwandtschaft sprach in vielen Fällen wohl nicht viel für die Bewerber, wie interne E-Mails zeigen. "Er war einer der schlechtesten Kandidaten", schreibt etwa ein Deutsche Bank Manager über einen "Prinzling".

Dennoch zeigen interne E-Mails, wie sich die Bank bemühte, die Angehörigen einflussreicher Chinesen unterzubringen - zur Not auch auf Kosten der anderen Angestellten. "Hier ist wieder eine Einstellung, die wir auf Empfehlung machen müssen", schrieb ein Banker 2008.

Die Abteilung beschwerte sich, die Zahl der Angestellten sei bereits hoch. "Wir können es so machen, dass die Zahl der Beschäftigten gleich bleibt“, fuhr der Banker fort und ließ keinen Zweifel daran, dass für einen "Prinzling" auch mal andere Angestellte gefeuert werden müssen: "Lass uns Montag die möglichen Zielkandidaten durchgehen."

Logo der Deutschen Bank an der Konzernzentrale in Frankfurt | Bildquelle: picture alliance / Fabian Sommer
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Wegen der Beschäftigung von "Prinzlingen" wurde die Deutsche Bank in den USA zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt.

Strafzahlung an die US-Börsenaufsicht

Wegen der Praxis in China und Russland musste die Deutsche Bank Ende August dieses Jahres 16 Millionen Dollar Strafe an die amerikanische Börsenaufsicht SEC zahlen, weil sie mit der "Prinzling"-Politik in mehreren Fällen gegen das Gesetz verstieß.

Die Deutsche Bank teilte auf Anfrage mit: "Diese Vorfälle reichen bis ins Jahr 2002 zurück und wurden entsprechend behandelt. Die Deutsche Bank führt aus eigenem Antrieb interne Untersuchungen durch, um Fehler und Mängel der Vergangenheit zu identifizieren und zu beheben. Im Ergebnis meldete sie bestimmtes Fehlverhalten den entsprechenden Behörden. Wie die Vereinbarung mit der US-Börsenaufsicht SEC zu den Einstellungspraktiken der Bank widerspiegelt, haben wir unsere Richtlinien und Kontrollen verbessert. Wo Schwachstellen identifiziert wurden, haben wir Gegenmaßnahmen ergriffen."

Wohl keine strafrechtlichen Folgen in Deutschland

Strafrechtliche Folgen in Deutschland muss die Deutsche Bank wohl nicht befürchten. Die zuständige Frankfurter Staatsanwaltschaft führt jedenfalls keine Ermittlungen. Dies könnte auch an der laschen Informationspraxis der deutschen Bankenaufsicht Bafin liegen.

Im Frühjahr 2014, als US-Ermittler die Praxis bei der Deutschen Bank und anderen Geldhäusern unter die Lupe nahmen, informierte die Deutsche Bank auch hierzulande die Bankenaufseher der Bafin. Das belegen E-Mails, die WDR, SZ und "New York Times" ebenfalls vorliegen.

Doch während in den USA ausgiebig ermittelt wurde, wurde zumindest nach Auskunft der Frankfurter Staatsanwaltschaft dort niemand informiert. Die Bafin äußerte sich auf Anfrage nicht.

Die BaFin in Bonn
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Die BaFin äußerte sich auf Nachfrage nicht.

Hans Richter, der frühere Chef der Stuttgarter Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität, kann nicht nachvollziehen, dass keine Staatsanwälte mit der Sache betraut wurden. In seinen Augen liegt bei der "Prinzling"-Praxis ein Bestechungsverdacht vor. "Geschenke an Beamte sind typische Sachverhalte der Bestechung im öffentlich-rechtlichen Verkehr. So ist natürlich auch die Anstellung eines Kindes nichts anderes als ein solches Geschenk."

Ähnlich sieht es Gerhard Schick, Leiter der Organisation "Finanzwende": "Ich frage mich, warum sehe ich, dass eine amerikanische Behörde ermittelt wegen problematischen Geschäften der Deutschen Bank in China und ich in Deutschland keine Aktivitäten wahrnehmen kann."

Der damalige Konzernchef Josef Ackermann teilte in einer Stellungnahme mit, er kenne weder den internen Ermittlungsbericht, noch könne er sich an Geschenke erinnern oder wisse etwas von Zahlungen für ein Treffen mit dem damaligen chinesischen Präsidenten. Auch in ein "Prinzling"-System sei er nicht einbezogen gewesen.

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