Mann mit Aktenkoffer geht Treppen hinunter | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Cum-Ex-Skandal Nun auch Schweizer Banker angeklagt

Stand: 15.12.2020 15:00 Uhr

Der NRW-Justizminister hatte im Cum-Ex-Skandal "Anklagen wie am Fließband" angekündigt - und die Strafverfolger machen ernst. Nach Informationen von WDR und "SZ" ist nun ein früherer Kundenberater einer Schweizer Bank angeklagt.

Von Massimo Bognanni, WDR

Zu seinen Kunden zählten Millionäre und Milliardäre. Die Aufgabe des früheren Kundenbetreuers der Privatbank J. Safra Sarasin war, insbesondere wohlhabende Deutsche für das Schweizer Bankhaus zu gewinnen. Lange Zeit war der Bankberater gut im Geschäft. Konnte er der anspruchsvollen Klientel doch Renditen bieten, die fast zu schön klangen, um wahr zu sein. Zwölf Prozent sollten die Superreichen verdienen - und das in kurzer Zeit.

Was die Kunden nach Ansicht der Strafverfolger nicht wussten: Die ertragreichen Geschäfte sollen fragwürdige Cum-Ex-Deals gewesen sein. Mit komplizierten Aktienkreisgeschäften ließen sich Banker, Berater und Aktienhändler Steuern erstatten, die zuvor niemand abgeführt hatte. Ein Griff in die deutsche Staatskasse. Verbunden mit dem Risiko, irgendwann von den Steuerbehörden erwischt zu werden.

Deutsche Investoren für Cum-Ex-Fonds geworben

Ein Risiko, das der Bankberater seinen Kunden nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Köln hätte offenlegen müssen. Nach Informationen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" haben die Fahnder den Banker nun wegen Anlagebetruges angeklagt. Außerdem werfen die Strafverfolger ihm auch mehrere Steuerdelikte im Zusammenhang mit Cum-Ex vor.

In Vernehmungen soll der angeklagte Banker aus der Schweiz ausgesagt haben, gemeinsam mit deutschen Rechtsanwälten mehrere Investoren aus dem Umfeld von Sarasin für Cum-Ex-Fonds gewonnen zu haben. Zu den Geldgebern sollen unter anderem der deutsche Unternehmer Carsten Maschmeyer sowie Drogeriemarkt-König Erwin Müller gehört haben.

Das Landgericht Bonn bestätigte auf Anfrage den Eingang einer weiteren Anklage "im Bereich Cum-Ex", wollte sich zu dem Inhalt jedoch nicht weiter äußern. Der Anwalt des Beraters äußerte sich ebenfalls nicht. Auch die Sarasin-Bank ließ eine Anfrage unbeantwortet.

 Ermittlungen gegen 1000 weitere Personen

Mit der neuen Anklage nimmt die Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals weiter Fahrt auf. NRW-Justizminister Peter Biesenbach hatte nach der bundesweit ersten Cum-Ex-Verurteilung im März "Anklagen wie am Fließband" angekündigt. Tatsächlich ist die neue Anklage die dritte in diesem Jahr und die vierte insgesamt. In Köln laufen Ermittlungen gegen etwa 1000 weitere Personen. Tendenz: steigend.

Nachdem im März zwei weitgehend geständige Ex-Investmentbanker zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden waren, läuft am Landgericht Bonn gerade ein Prozess gegen einen früheren Banker der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 Aktuell am 11. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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