Demonstranten vor dem Brandenburger Tor halten Plakate, die ihre Solidarität mit der Ukraine ausdrücken. | REUTERS
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Behörden ermitteln Ukraine-Helfer im Visier

Stand: 23.03.2022 10:00 Uhr

In Berlin wurde nach Informationen von WDR und SZ in die Wohnung eines Ukraine-Helfers eingebrochen und "weißes Pulver" verteilt. Nun ermittelt das LKA. Aktivisten fürchten weitere Angriffe und sehen sich im Visier pro-russischer Stellen.

Von Florian Flade, WDR

Es sind seltsame Dinge, die Masha Borysenko seit einiger Zeit beobachtet. Sie ist die Sprecherin von Vitsche, einem Berliner Verein, der Menschen hilft, die vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflohen sind. Die Organisation ist Teil eines bundesweiten Netzwerkes, der Allianz Ukrainischer Organisationen, die auch Demonstrationen und Hilfslieferungen in das Kriegsgebiet organisiert.

Florian Flade

Borysenko erzählt, es würden immer wieder komische Leute bei ihren Veranstaltungen auftauchen und Fotos der Helferinnen und Helfer machen. Auch ihre Handys verhielten sich merkwürdig. Sie habe das Gefühl, da seien Hacker am Werk. In der vergangenen Woche dann meldete ein Helfer, der zeitweise für die Logistik der Hilfstransporte aus Deutschland in die Ukraine und nach Polen zuständig waren, dem LKA nach Informationen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" einen bizarren Einbruch.

Weißes Pulver im Badezimmer

Am Abend des 14. März habe er bemerkt, dass offenbar jemand in seine Wohnung in Berlin eingedrungen war, so berichtet Masha Borysenko. Gestohlen wurde augenscheinlich nichts, aber im Badezimmer sei "weißes Pulver" verteilt worden, außerdem seien Kassenbons aus dem Müll gefischt und in der Wohnung platziert worden. Mittlerweile ermittelt das Berliner Landeskriminalamt (LKA) wegen des Einbruchs, auch die Sicherheitsabteilung der Ukrainischen Botschaft in Berlin ist informiert.

"Wir gehen davon aus, dass wir durch solche Taten eingeschüchtert werden sollen", sagt Borysenko. "Natürlich wissen wir nicht genau, wer dahinter steckt, aber es ist nicht auszuschließen, dass es pro-russische Strukturen oder Gruppierungen sind, die uns davon abhalten wollen, den Menschen in der Ukraine zu helfen."

Bedrohungen und Beleidigungen

Wer hinter dem Einbruch steckt, und ob es sich tatsächlich um einen Einschüchterungsversuch von russischer Seite handelt, ist bislang unklar. Allerdings stellen Polizeibehörden bundesweit inzwischen vermehrt Straftaten fest, die offenbar im Kontext des Ukraine-Konflikts stehen.

Dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden mehr als 500 Straftaten gemeldet, mehrheitlich handelt es sich um Bedrohungssachverhalte und Beleidigungen, die über das Internet getätigt wurden. Doch auch körperliche Attacken auf russisch- oder ukrainisch-sprachige Menschen, und Brandstiftungen, etwa gegen eine Deutsch-Russische Schule in Berlin, wurden registriert.

In Sicherheitskreisen heißt es, man beobachte sehr genau, ob es zu gezielten Aktionen russischer staatlicher Stellen gegen ukrainische Ziele in Deutschland komme. Dazu zählen beispielsweise auch mögliche Ausspähungen von Personen und Organisationen durch russische Geheimdienste.

Die Sorge ist groß, dass es zu Sabotageakten oder anderen Angriffen kommen könnte, um die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Bislang sei dazu nichts konkretes festzustellen, heißt es jedoch. Die Spionageaktivitäten, auch aus der Russischen Botschaft und den Konsulaten heraus, seien derzeit auf einem überraschend niedrigen Niveau.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. März 2022 um 12:10 Uhr.