Das Tönnies-Fabrikgebäude in Rheda-Wiedenbrück | Bildquelle: AFP

Corona-Ausbruch bei Tönnies Video zeigt Hygieneverstöße

Stand: 19.06.2020 18:51 Uhr

Eine übervolle Kantine, Mindestabstand - Fehlanzeige: Ein Video aus der Tönnies-Fleischfabrik, das dem SWR vorliegt, zeigt Verstöße gegen Hygienevorschriften - nachdem diese vom Land NRW verschärft wurden.

Nach Recherchen des SWR hat das Unternehmen Tönnies gegen die Hygienevorschriften des Landes Nordrhein-Westfalen verstoßen, die seit dem 30. März gültig waren. Das belegt ein Video, das in der Betriebskantine von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück aufgenommen und am Montag öffentlich wurde.

Nach SWR-Recherchen ist das Video am 8. April dieses Jahres entstanden. Das geht aus einer Analyse der Metadaten des Originalvideos hervor, das dem SWR vorliegt. Das sogenannte Kodierungsdatum ist darauf auf den 8. April 2020 um 8.39 Uhr datiert. Demnach ist das Video nach Inkrafttreten der Hygiene-Verschärfungen in NRW aufgenommen worden.

Verstoß gegen Landesverordnung von NRW

Laut dieser "Verordnung zur Änderung der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2" vom 30. März gab es klare Vorgaben für Betriebskantinen in Nordrhein-Westfalen. Dort heißt es, dass Betriebskantinen nur betrieben werden dürfen, "wenn die erforderlichen Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts, zur Vermeidung von Warteschlangen und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern gewährleistet sind."

Auf dem Video aus der Betriebskantine ist zu sehen, wie Hunderte Mitarbeiter, dicht an dicht an Tischen sitzen, ohne den Mindestabstand einzuhalten.

"Nicht dem Pandemiekonzept entsprechend"

Ein Sprecher des zuständigen Landkreises Gütersloh teilte auf Anfrage dem SWR mit, dass die Bilder "nicht dem Pandemiekonzept des Unternehmens entsprechen". Es habe zudem keine Sondererlaubnis für das Unternehmen Tönnies gegeben, "die allgemeinen Hygieneregeln außer Kraft zu setzen."

Volker Brüggenjürgen, der für die Grünen im Stadtrat von Rheda-Wiedenbrück sitzt, sagte: "Ab den Schulschließungen am 13. März sind alle Menschen in Rheda-Wiedenbrück auf Distanz gegangen, nur für Tönnies galten offenbar andere Regeln." Die Forderungen und die Kritik an dem Konzern - auch durch seine Fraktion - "sind an dem Konzern abgeprallt".

Der Sprecher des Kreises Gütersloh ergänzte, dass "die Kantine nicht umsonst neben der Zerlegung zu den ersten Bereichen gehöre", die seit zwei Tagen getestet würden. Auch das Unternehmen Tönnies sehe "den Ursprung der Verbreitung des Virus vor allem im Unternehmen", so der Sprecher.

Video ist echt

Das Unternehmen Tönnies bestätigte gegenüber dem SWR, dass das Video in der Kantine des Unternehmens aufgenommen wurde. Nach Angaben eines Sprechers sei es "ganz zu Beginn der Pandemie" aufgenommen worden. Daher zeige es einen "alten Stand der Hygienemaßnahmen".

Inzwischen korrigierte der Tönnies-Pressesprecher die ursprüngliche Aussage und bestätigt, dass das Video von Anfang April stamme. Demgegenüber sagte Brüggenjürgen, er selbst habe Mitte April an einer Werksführung des Unternehmens teilgenommen und dort ähnliche Zustände vorgefunden, wie in dem Video zu sehen. Für ihn sei es daher offensichtlich, dass bis weit in den April hinein eine ähnliche Situation wie im Video bei Tönnies Alltag war.

Tönnies widerspricht

Die Firma Tönnies hat ihre gestrige Aussage zum sogenannten Kantinenvideo korrigiert. Wie ein Unternehmenssprecher dem SWR auf Anfrage mitteilte, liege das Video dem Unternehmen nicht erst seit Anfang April, sondern bereits seit dem 28. März vor. Als Beleg dafür schickte das Unternehmen dem SWR einen Handy-Screenshot, auf dem das Startbild des Videos in einem WhatsApp Chatverlauf zu sehen ist. Dem Screenshot zufolge wurde der Chat am 28. März geführt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Juni 2020 um 12:00 Uhr.

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