Eine Arzthelferin hält eine Spritze bereit zur Impfung in einem Impfzelt in Nordrhein-Westfalen. | picture alliance/dpa
Exklusiv

Umfrage in Bundesländern Tausende Pflegekräfte noch ungeimpft

Stand: 04.02.2022 16:24 Uhr

Eine SWR-Umfrage zeigt: In Deutschland sind noch Tausende Pflegekräfte ungeimpft. Die niedrigste Impfquote gibt es in Sachsen. In Rheinland-Pfalz und Hamburg liegt die Quote hingegen bei rund 90 Prozent.

Von Judith Brosel und Nick Schader, SWR

In Deutschland sind aktuell noch mehrere zehntausend Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen ohne Impfschutz. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des SWR unter den zuständigen Ministerien der Bundesländer, auf die bis auf Nordrhein-Westfalen alle Länder fristgerecht geantwortet haben. Demnach gibt es regional sehr große Unterschiede.

Mehrere Bundesländer haben unter Pflegekräften eine Impfquote, die zwischen 84 und 92 Prozent liegt. Nach der Auswertung des SWR ist die Impfquote in Rheinland-Pfalz (92 Prozent) am höchsten - gefolgt von Hamburg (90 Prozent), Hessen (88 Prozent), Bremen (88 Prozent) und Bayern (86 Prozent). In Baden-Württemberg liegt die Impfquote unter den fast 100.000 Beschäftigten in der Pflege bei 85,4 Prozent.

Niedrige Quoten in Sachsen und Thüringen

Ganz anders ist die Situation in Sachsen und Thüringen. Nach Angaben der dortigen Ministerien liegt die Impfquote in Sachsen landesweit bei 65,7 Prozent - in Thüringen "zwischen 60 und 70 Prozent". In einigen Landkreisen in Sachsen, wie der Sächsischen Schweiz, liegt die Impfquote bei den Beschäftigten in Pflegeheimen nur bei knapp über 50 Prozent. Gleiches gilt für einzelne Einrichtungen in Thüringen. Auch dort hätten zum Teil nur "knapp über 50 Prozent" einen vollständigen Impfschutz, wie das thüringische Gesundheitsministerium auf Anfrage des SWR mitteilte.

In einigen Bundesländern gibt es aktuell noch keine genaue Erfassung der Impfquoten, so zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Berlin. Es gebe "kein systematisches Monitoring" der Impfquoten, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit mit. Auch Schleswig-Holstein teilte mit, dass konkrete Zahlen noch nicht vorliegen würden.

Das Bundesgesundheitsministerium betont auf SWR-Nachfrage, der Start der einrichtungsbezogenen Impfpflicht dürfe sich nicht verzögern. "In der Omikronwelle zählt jeder Tag, um vulnerable Gruppen zu schützen." Umgesetzt werde die Impfpflicht von den Ländern.

Impfpflicht kontra Versorgungssicherheit?

Auch bei der geplanten Umsetzung der Impfpflicht ab Mitte März gibt es zwischen den Bundesländern Unterschiede. Während einige Länder betonen, die "einrichtungsbezogene Impfpflicht umsetzen" zu wollen, nämlich Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg, sind andere Länder deutlich zurückhaltender.

So teilten Sachsen und Brandenburg dem SWR mit, dass für sie die Versorgungssicherheit oberste Priorität habe. Wenn diese gefährdet sei, könne von "der Aussprache von Tätigkeits- und Betretungsverboten" für ungeimpfte Mitarbeiter "abgesehen werden", heißt es etwa aus Sachsen. Mehrere Bundesländer, unter anderem Bremen, Berlin, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sehen bei der Umsetzung noch Klärungsbedarf mit dem Bundesgesundheitsministerium, so zum Beispiel bezüglich der Kontrolle und möglicher Sanktionen.

Hierzu teilt des Bundesgesundheitsministerium dem SWR auf Nachfrage mit: "Die Länder haben im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz die Einführung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht unterstützt (GMK-Beschluss vom 22.1.2022). Wir gehen daher davon aus, dass die praktische Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben auf Landesebene gesichert ist."

Situation in Krankenhäusern besser

Nach der Auswertung des SWR ist die Impfquote bei Beschäftigten in den Krankenhäusern überall etwas höher als in Alten- und Pflegeheimen. Einige Bundesländer sprechen hier von einer Impfquote "von bis zu 100 Prozent" (Berlin) oder betonen, dass "keine nennenswerten Impflücken" beim Klinikpersonal bestehen würden (Bayern).

Auch Bremen (95 Prozent), Rheinland-Pfalz (95 Prozent), Hamburg (mehr als 90 Prozent) sowie Hessen (90 Prozent) bestätigen hier sehr hohe Impfquoten. Sachsen und Thüringen machten hierzu keine Angaben, da es "kein zentrales Meldesystem" gebe, so das Thüringer Gesundheitsministerium. 

Über dieses Thema berichtete die Sendung "Panorama" am 03. Februar 2022 um 21:45 Uhr.