Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof steht auf einem Schild am Eingang zum Gebäude der Bundesanwaltschaft. | dpa
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Festnahme in Römerberg Ex-Al-Kaida-Terrorist soll beim IS sein

Stand: 14.06.2022 14:18 Uhr

Ein mutmaßliches Mitglied des "Islamischen Staates" aus Rheinland-Pfalz ist verhaftet worden. Laut SWR handelt es sich um einen 60-Jährigen, der schon 2015 als Terrorist verurteilt worden war.

Von Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte

Wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrorgruppe "Islamischer Staat" sowie der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ist ein 60-jähriger Deutscher pakistanischer Abstammung am Montag in Römerberg festgenommen worden. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs setzte den Haftbefehl gegen den Mann inzwischen in Vollzug. Zudem verhafteten Schweizerische Ermittlungsbehörden drei Personen in gleichem Zusammenhang, teilten die dortigen Behörden mit. 

Holger Schmidt

Aleem N. ist deutschen Ermittlungsbehörden seit langer Zeit bekannt und zählt in Rheinland-Pfalz zu den "Top-Gefährdern", also zu einem Personenkreis, von dem künftige terroristische Aktivitäten geradezu erwartet werden. Anfang der 2000er-Jahre lebte N. in Germersheim und fiel den Sicherheitsbehörden dadurch auf, dass er die terroristischen Anschläge des 11. September 2001 lautstark an seinem Arbeitsplatz lobte.

Weil dieser Arbeitsplatz im Kernforschungszentrum Karlsruhe war und N. dort arbeiten konnte, ohne dass die obligatorische Sicherheitsüberprüfung Hinweise auf seine radikale Gesinnung ergeben hätte, beschäftigte sich später der Landtag von Baden-Württemberg mit dem Vorgang. Denn das zuständige Verfassungsschutzamt in Stuttgart wusste durchaus, in welchen islamistischen Kreisen N. schon zuvor verkehrt hatte, doch der Hinweis blieb in der Behörde liegen. 

Kontakt zu IS-Anführern

2007 wurde N. in Pakistan unter Terrorverdacht festgenommen und nach Deutschland abgeschoben, weil er nach der Heirat einer Frau aus dem Raum Freiburg die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte. Im folgenden Prozess vor dem OLG Koblenz stellte sich N. als eine Art Mittelsmann der Terrororganisation Al-Kaida in Deutschland heraus, der Kontakte zu Führungsfiguren der Gruppe hatte und mehrere deutschstämmige Terroristen zur Al-Kaida vermittelte. N. wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung lebte er mit seiner Familie in Germersheim und im Rhein-Pfalz Kreis und hatte nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden stetig weiter Kontakt zu islamistischen Kreisen.

Den aktuellen Ermittlungen des Generalbundesanwalts und des Bundeskriminalamts zufolge besteht der Verdacht, dass sich N. in den vergangenen zwei Jahren mehrfach bemüht haben soll, zum IS zu reisen. Zudem soll er aus Deutschland als Übersetzer und Verfasser von Propagandabeiträgen im Internet gewirkt und Kontakt mit IS-Anführern gehalten haben.