Polizisten in Paris | Bildquelle: AFP

Frankreich Deutsche in Anschlagspläne verwickelt?

Stand: 23.12.2019 13:33 Uhr

Im Oktober wurde in Paris eine mutmaßliche Islamistin aus Deutschland festgenommen. Dem SWR vorliegende Ermittlungsunterlagen zeigen nun: Die Festnahme steht in Zusammenhang mit eventuellen Anschlagsplänen in Frankreich.

Von Eric Beres, SWR

Die Botschaft eines europäischen Staates in Paris soll das Anschlagsziel einer Gruppe mutmaßlicher Islamisten gewesen sein, die sich spätestens im September in Frankreich zusammengefunden hatte. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die dem SWR exklusiv vorliegen. Demnach fälschten sie unter anderem Ausweise.

Die französischen Sicherheitsbehörden ermitteln den Unterlagen zufolge wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Wie weit die Pläne womöglich schon fortgeschritten waren und andere Details gehen aus ihnen nicht hervor.

Als Beschuldigte in dem Komplex genannt wird allerdings die 32-jährige Nadine H. aus dem Ruhrgebiet. Im Oktober war sie in Paris festgenommen worden. Nach SWR-Informationen hatte sich die Islam-Konvertitin seit Jahren in der radikalen Salafistenszene in Nordrhein-Westfalen bewegt - mit Kontakten zum Umfeld des mutmaßlichen deutschen IS-Statthalters Abu Waala, dem derzeit in Deutschland der Prozess gemacht wird.

Verbindung zu ehemaligem IS-Kämpfer

Spielte Nadine H. eine zentrale Rolle bei den Anschlagsplänen? Ihr Anwalt weist diesen Vorwurf gegenüber dem ARD-Studio Paris zurück. Fest steht: Den Unterlagen zufolge wird gegen sie wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorgruppe ermittelt. Erst in der vergangenen Woche durchsuchten deutsche Ermittler ihre Wohnung im Ruhrgebiet. Sie hat zudem engsten Kontakt zu einem weitere Beschuldigten in dem Verfahren - einer schillernden Figur in der internationalen Dschihadisten-Szene.

Dieser Mann soll ihr nach islamischem Recht getrauter Ehemann sein und heißt Mohamed E. Laut französischen Ermittlungsbehörden kämpfte der 29-jährige Tunesier von 2014 bis 2016 in Syrien für die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS).

Darüber veröffentlichte er 2017 sogar ein Buch. Titel: "Ich war in Rakka". Rakka war einmal die selbst ernannte Hochburg des IS in Syrien. In dem Buch berichtet E. unter anderem, wie er in der syrischen Stadt Palmyra für den IS gegen syrische Regime-Truppen gekämpft habe. Später verließ er die Terrormiliz, unter anderem weil er das Spitzelsystem des IS in den Reihen der Kämpfer unerträglich gefunden habe.

Verbindungen ins Ruhrgebiet

Wollte Mohamed E. nun erneut zum Gotteskrieger werden? Der Verdacht steht jedenfalls im Raum. Pikant ist dabei: Mohamed E. hat mehrere Bezüge nach Deutschland. Er wurde in Dortmund geboren, wo noch heute Verwandte von ihm wohnen. Gut möglich also, dass er im Ruhrgebiet auch Nadine H. kennengelernt hat. Wie er sich dort trotz seiner IS-Vergangenheit frei bewegen konnte, wollte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen dem SWR mit Verweis auf das "laufende Verfahren" nicht beantworten. 

Womöglich wurde Nadine H. die Bekanntschaft zu Mohamed E. zum Verhängnis. Ein Sprecher der französische Ermittlungsbehörden lehnte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen weitere Auskünfte zu ihrer Person ab. Die 32-Jährige sitzt jedenfalls bis heute in französischer Untersuchungshaft.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 23. Dezember 2019 um 16:39 Uhr.

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