Baden-Württemberg, Baienfurt: Auf dem Lehrerpult liegen drei Papierschilder mit der Aufschrift "Schule" neu, "Verhalten" und "Corona". | Bildquelle: dpa

Coronavirus Zurück in die Schule - aber wie?

Stand: 15.07.2020 12:47 Uhr

Für die ersten Schüler geht es bereits in zwei Wochen wieder los. Das kommende Schuljahr wird im Zeichen von Corona stehen. Regelbetrieb soll die Devise sein. Wie der ausschaut, ist in den Ländern verschieden.

Zurück in die Schule. Mathe, Deutsch und Bio, zusammen mit Max und Lea - so stellen sich viele Schüler das neue Schuljahr vor. Auch Eltern, Lehrer und Politiker wünschen sich eine Rückkehr zu dieser Normalität. Die Kultusministerkonferenz gab das Ziel "Regelbetrieb" aus.

Doch die Ausgestaltung ist in den Bundesländern verschieden. Erfahrungen aus dem alten Schuljahr sollen genutzt, mit Abstands- und Hygienekonzepten erneute Schließungen vermieden werden.

Schulunterricht unter Corona-Bedingungen in Niedersachsen | Bildquelle: dpa
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Auf Abstand - so lief auch in Niedersachsen der Unterricht nach der langen Corona-Pause.

Mit Abstand und Hygiene

Hygiene ist auch aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein entscheidender Punkt. "Mehr als 70 Prozent der Kolleginnen und Kollegen haben in einer Befragung angegeben, dass die hygienischen Zustände an den Schulen zu wünschen übrig lassen", sagt GEW-Sprecherin Ilka Hoffmann gegenüber tagesschau.de. Viele Kinder hätten unter den Schulschließungen gelitten.

Recht konkret sieht das Konzept für Schleswig-Holstein aus, das die Landesregierung Ende Juni veröffentlicht hat. Da heißt es unter anderem: "Grundsätzlich findet der Unterricht täglich für alle Schülerinnen und Schüler in Präsenz statt." Allerdings gilt einschränkend: "Um Lehrkräfte mit Gesundheitsrisiko einsetzen zu können, wird voraussichtlich der Unterricht in Teilen jedoch als Lernen aus der Distanz erteilt werden."

Unterricht in der Schule ist auch das erklärte Ziel in Nordrhein-Westfalen - allerdings gilt ebenfalls: "Soweit aus Gründen des Infektionsschutzes kein Präsenzunterricht möglich sein sollte, findet Unterricht auf Distanz statt", erklärte das Schulministerium in Düsseldorf. In Mecklenburg-Vorpommern, wo der Unterricht bereits am 3. August wieder beginnt, und Baden-Württemberg ist ebenfalls Präsenzbetrieb vorgesehen - mit Abstands- und Hygieneregeln und in "definierten Gruppen" (Klassen oder Kursen). Sachsen-Anhalt hofft auch auf einen Regelbetrieb, trifft aber auch Vorkehrungen für mögliche Schulschließungen.

Ein Kind am Laptop.
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"Fernunterricht" - je nach Infektionsgeschehen ist der teilweise oder vollständig denkbar.

Präsenz oder Distanz?

In Bayern liegt der Schuljahrsbeginn noch in der Ferne - am 8. September soll es losgehen. Dennoch denkt das dortige Kultusministerium intensiv über Szenarien nach. Plan A heißt hier Präsenzunterricht, sagt Pressesprecher Günter Schuster im Gespräch mit tagesschau.de. Die Hygieneregeln seien ein wesentlicher Teil der Überlegungen. Ob Masken und Abstände nötig seien, werde erst kurz vor Beginn des Schuljahres entschieden - je nach Infektionsgeschehen. Parallel würden in den Schulen seit März kleine und größere Umbauten vorgenommen, um Infektionsgefahren einzudämmen.

Hessens Kultusministerium betont gegenüber tagesschau.de: "Kein Schulgebäude in Deutschland ist, unabhängig in welchem baulichen Zustand es sich gerade befindet, für den Unterricht mit Abstand mit allen Schülerinnen und Schülern ausgerichtet bzw. gebaut worden. Deshalb ist die Einhaltung der Hygieneregeln umso wichtiger."

Mit mehreren Szenarien planen neben Hessen auch Brandenburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Abhängig vom Infektionsgeschehen könnten das Präsenzunterricht, eine Mischung von Präsenz- und Fernunterricht und reines Lernen und Lehren aus der Ferne sein. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne nennt das Ziel: "Schule wie immer" - aber unter Corona-Bedingungen. Entsprechende Empfehlungen hat auch eine Expertenkommission der Friedrich-Ebert-Stiftung geliefert. Fachleute etwa aus den Bereichen Virologie, Pädiatrie, Hygiene, Psychiatrie und Pädagogik sollen die Lage laufend bewerten.

Schulschließungen: Ultima Ratio in Sachsen

Sachsen hat das Ziel "Normalbetrieb" ausgegeben. Kultusminister Christian Piwarz strebt einen Regelbetrieb an fünf Tagen in der Woche an: "Die Schülerinnen und Schüler werden wie gewohnt in ihren Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet." Schulschließungen nennt Piwarz als "Ultima Ratio". Auch für Thüringen und das Saarland ist der Regelbetrieb das erklärte Ziel. Berlin will ebenfalls Unterricht nach Lehrplan, für Einschulungsfeiern, Sportunterricht, Schülerfahrten sollen Vorsichtsmaßnahmen gelten.

"Grundschulen öffnen mit Sicherheit, weiterführende Schulen mit großer Wahrscheinlichkeit", heißt es von Hamburgs Schulsenator Ties Rabe. In Bremen sieht das ähnlich aus. Rabe hatte sich per Videokonferenz mit einigen Kolleginnen und Kollegen der anderen Bundesländer sowie mit Experten beraten. Die Fachleute betonten auf Basis verschiedener Studien, "dass das Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen deutlich geringer und ungefährlicher ist als bei Erwachsenen" und die Krankheit auch milder verlaufe.

Allerdings haben viele dieser Untersuchungen unter "Lockdown-Bedingungen" stattgefunden - Schulen waren geschlossen, es gab Ausgangsbeschränkungen. Dass die wenig aussagekräftig sind, zeigt das Beispiel Israel. Dort wurde der Unterricht bereits im Mai wieder aufgenommen. Die Infektionszahlen stiegen, weil Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten wurden - an einem Gymnasium gab es schnell 100 Erkrankte.

Eine Strategie für alle?

SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach forderte im ARD-Morgenmagazin noch mehr Abstimmung unter den Bundesländern bei Hygienestandards, aber auch bei Tests. "Wir bräuchten eine nationale Schulstrategie. Denn bisher weiß ja niemand, was an den Schulen passieren wird, wenn wir dort Ausbrüche sehen."

Nach Angaben der Kultusministerkonferenz sind Absprachen in Arbeit. Pressesprecher Torsten Heil betonte gegenüber tagesschau.de, dass die Kultusministerien der Länder in regelmäßigem engen Austausch stünden. Die bisherigen Erfahrungen der allmählichen Rückkehr zum Schulalltag seien positiv. Für ihn ist daher klar: "Ziel für das kommende Schuljahr ist selbstverständlich die Rückkehr zum Regelbetrieb." Ein frisch verabschiedeter Plan für gemeinsame Hygienemaßnahmen im neuen Schuljahr ist da ein Baustein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2020 um 12:00 Uhr.

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