Vertrocknete Maispflanzen stehen auf einem Feld | Bildquelle: dpa

Engpässe in Deutschland Der Kampf ums Wasser beginnt

Stand: 06.08.2019 12:37 Uhr

Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Deutschland für die meisten so selbstverständlich, dass sie nicht darüber nachdenken. Das könnte sich bald ändern, wie Recherchen von report München zeigen.

Von Ulrich Hagmann und Fabian Mader, BR

Wasser kommt aus der Leitung - das ist noch immer die Haltung, die viele hierzulande haben. Aber so selbstverständlich ist das nicht mehr. Auch in diesem Jahr sind in manchen Regionen Brunnen und Flüsse ausgetrocknet, Behörden drohen Landwirten mit Bußgeldern, wenn sie zu viel bewässern. Der Kampf ums Wasser beginnt. Und Deutschland ist nicht darauf vorbereitet. 

 Vertrocknete Felder

Regenmeister Michael Hornborstel zieht eine Rübe aus einem vertrockneten Acker. Ernten lässt sich hier nichts mehr. "Da habe ich Tränen in den Augen. Das ist heftig", sagt er dem ARD-Politmagazin report München. Hornbostel ist Regenmeister in Edemissen in Niedersachsen. Das heißt: Er verteilt das Wasser für die Felder der Landwirte in der Gegend. Dieses Jahr hat es nicht mehr für alle Äcker gereicht, denn die Behörden haben das Kontingent begrenzt. Den Rübenacker mussten die Landwirte aufgeben.

Michael Hornborstel vor Traktor (Screenshot)
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Michael Hornborstel muss einen Teil seiner Ernte wegen Wasserknappheit abschreiben.

Wasser gilt in Deutschland vielen als unendlich verfügbar. Wer es braucht, dreht den Hahn auf. Aber diese Selbstverständlichkeit geht gerade verloren, sagt Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. "Das ist ein neuartiger Konflikt, den wir bisher in der Form noch gar nicht kannten."

"Nahrungsmittel genauso wichtig wie Trinkwasser"

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Screenshot)
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Niedersachsens Umweltminister Lies ordnete bereits eine Reduzierung des Wasserkontingents für Landwirte an.

Auch in Niedersachsen, wo Michel Hornbostel seinen Hof hat, wird das Grundwasser knapper. Deshalb haben die Behörden das Kontingent für die Landwirte begrenzt, sagt Umweltminister Olaf Lies (SPD) im Interview mit report München. "Ohne Sicherstellung, dass genug Wasser für die Trinkwasserversorgung da ist, können nicht weitere Mengen beispielsweise für die Beregnung entnommen werden."

Für Landwirt Hornbostel greift das zu kurz: "Wir als Landwirte haben auch einen Versorgungsauftrag und Nahrungsmittel sind genauso wichtig wie Trinkwasser." Die Landwirte wollen sich anpassen, aber wie sie auf sandigen Böden bei wenig Niederschlag ohne Bewässerung auskommen sollen, das wissen sie nicht.

Kein Trinkwasser für Rasensprenger

Der aktuelle Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt, wie trocken deutsche Böden in bis zu 1,8 Meter Tiefe sind. Rot heißt: extreme oder außergewöhnliche Dürre, weite Teile Nord,- und Mitteldeutschlands sind jetzt dunkelrot.

Fahrzeug der Feuerwehr Kelkheim (Screenshot)
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Die Feuerwehr Kelkheim fordert per Lautsprecher zum Wassersparen auf - leider oft vergeblich.

Auch in Kelkheim im Taunus hat es seit Monaten kaum geregnet. Viele Pflanzen sind vertrocknet. In einem wohlhabenden Neubaugebiet sind die Rasen dennoch auffällig grün - zum Ärger der Feuerwehr, die im Juli mit Lautsprecherwagen durch die Stadt fuhr und eine dringende Bitte an die Bevölkerung richtete: "Die Trinkwasserversorgung der Stadt Kelkheim ist akut gefährdet. Bitte unterlassen Sie das Bewässern von Gärten und Rasenflächen sowie das Befüllen von Schwimmbndern und Pools."

Wem gehört das Wasser?

Grüne Wiesen, ganz ohne Bewässerung - im bayerischen Mangfalltal gibt es mehr als genug Wasser. Aber auch hier gibt es Streit, denn von hier stammt das Trinkwasser für das 40 Kilometer entfernte München. Und die Landeshauptstadt will nun die Schutzzone für das Wasser verdoppeln. Das würde für die Landwirte dort bedeuten, sie dürften viele Wiesen nicht mehr als Weiden nutzen.

Biobauer Alois Fuchs sieht seinen und mehrere Nachbarhöfe in der Existenz gefährdet. Die Münchner Stadtwerke betonen: Sie hätten Fuchs eine Ausgleichsfläche angeboten. Die habe er abgelehnt, weil sie zu weit vom Hof entfernt sei. Der Wasserversorger beruft sich auf sogenannte Altrechte für die Wassergewinnung, aus dem 19. Jahrhundert.

Talsperre Oderteich im Nationalpark Harz | Bildquelle: dpa
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Viele wichtige Wasserspeicher haben einen sehr niedrigen Pegel.

Die will der Landwirt nicht anerkennen. Für ihn geht es am Ende um eine entscheidende Frage: Wem gehört das Wasser? "Das gehört der Allgemeinheit und nicht den Münchnern alleine. Es gehört allen."

Besseres Wassermanagement

Experte Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung rechnet damit, dass Konflikte ums Trinkwasser künftig zunehmen. Er fordert daher, dass Regionen, in denen es zu trocken ist, aus anderen Gegenden mitversorgt werden. "Wasserversorgung funktioniert immer noch sehr regional", sagt er. "Ich glaube, wir müssen in Zukunft in der Lage sein, den Ausfall einzelner Systeme dadurch zu überbrücken, dass andere Systeme einspringen."

Zwei Dürrejahre in Folge bringen die Wasserversorgung in Deutschland mancherorts schon an ihre Grenzen. Es wird Zeit, über ein besseres Wassermanagement nachzudenken.

Verteilungskampf um Trinkwasser
Fabian Mader, BR
06.08.2019 14:49 Uhr

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Dieses und andere Themen sehen Sie heute um 21.45 Uhr in report München im Ersten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. August 2019 um 07:51 Uhr und berichtete report München im Ersten um 21:45 Uhr.

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