Die Homepage von judas.watch

Hass im Netz Auf der Spur rechtsextremer Hetze

Stand: 17.01.2020 10:00 Uhr

Auf der Webseite "judas.watch" wurde jahrelang im Netz gehetzt, vor allem gegen Juden. Den Politmagazinen report München, Kontrovers und "Zeit Online" ist es nun gelungen, die Spur der Hintermänner zu verfolgen.

Von Sabina Wolf, BR München und Christof Mackinger

Jahrelang ist "judas.watch" im Internet zugänglich. Auf der rechtsextremistischen Webseite werden Juden aufgelistet, mit einem Davidstern gebrandmarkt. Andere Menschen sind für die Rechtsextremen "Verräter an der weißen Rasse". Wer steckt hinter dieser Seite?

Im Internet stoßen Reporter der Politmagazine report München, BR Kontrovers und von "Zeit Online" in einem rechtsradikalen Forum auf den Namen "Kikel Might". Der Mann mit dem Pseudonym gibt sogar ein Interview. Er prahlt damit, dass unter anderem er hinter "judas.watch" steckt: "'judas.watch' ist eine Datenbank. Unser Ziel ist es, unsere Feinde zu dokumentieren, Weiße und anderen Personen in öffentlichen Ämtern." Es gehe auch um Juden. "Unser Endziel ist es, dass man es wie Wikipedia nutzt und den ganzen Dreck über unsere Feinde findet."

Judas.Watch: Hass im Netz und der schwierige Kampf dagegen
tagesthemen 21:45 Uhr, 17.01.2020, Sabina Wolf/Christof Mackinger, BR

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Betroffene sind entsetzt

Im Sommer 2019 wurden Betroffene durch Reporter darüber informiert, dass sie auf "judas.watch" gelistet sind. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich im Interview mit report München entsetzt: "Das ist eine sehr mulmige Angelegenheit. Ich habe großes Unverständnis, dass so etwas überhaupt möglich ist." Das Bundeskriminalamt sah damals keine konkrete Gefährdungslage.

Das nun aufgefundene Interview in dem rechtsradikalen Forum gibt einen Hinweis auf die Hintermänner. Dass diese nun auch Interviews geben, beunruhigt den Münchner SPD-Stadtrat Marian Offmann, der ebenfalls auf der Liste steht: "Ich habe jetzt ein Zittern in mir, weil dieser Mensch hat mit dieser Website versucht zu zeigen, dass Rassismus und Antisemitismus etwas völlig Normales ist."

Spur führt nach Österreich

Das Pseudonym "Kikel Might" ist eine erste Spur. IT-Sicherheitsexperte Matthias Rosche von Securelink analysiert mithilfe des Namens Datenbanken und sucht im Netz nach Spuren: "Wir haben verschiedene Indikatoren gefunden, die alle darauf hindeuten, dass dieses Pseudonym 'Kikel Might' von jemandem benutzt wird, der sich in Österreich respektive in Wien aufhält bzw. aufgehalten hat. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Österreicher ist."

Wie reagieren die Behörden?

Die deutschen Behörden sahen noch bis vor Kurzem keine Gefahr für die auf der Webseite gelisteten Personen. Auch der Aufruf, Rassenschande zu melden und andere volksverhetzende Inhalte auf der Webseite führen nicht zu deren Sperrung. Aus dem österreichischen Innenministerium heißt es auf Anfrage, dass auf "judas.watch" nicht explizit zu Gewalt gegen die auf der Seite gelisteten Personen aufgerufen werde. "Dahingehend ist derzeit keine explizite Gefährdung für die jeweils betroffenen Personen ersichtlich." Auf Anfrage will sich das österreichische Innenministerium zu den neuen Hinweisen nicht äußern - aus ermittlungstaktischen Gründen.

Der IT-Sicherheitsexperte Rosche kritisiert die Untätigkeit der Behörden: "Was wir tun, können Behörden allemal. Das heißt, es liegt in der Macht dieser Institutionen, die gleichen Informationen zu bekommen wie wir."

Webseite seit dieser Woche offline

Seit dieser Woche ist die Webseite "judas.watch" in Deutschland offline. Was ist passiert, haben die Behörden nun doch reagiert?

Der jüdische Verein "WerteInitiative" hat nach der Berichterstattung durch report München und Kontrovers mit vielen Meldungen auf die Seite aufmerksam gemacht und so für eine Sperrung gesorgt. "Wir haben die Idee der Reporter aufgegriffen, die Jugendschutzvorschriften zu bemühen. Das hat Wirkung gezeigt."

Auch Knobloch reagiert erleichtert auf die Nachricht: "Ich bin sehr froh und erleichtert, dass die Hass-Seite 'judas.watch' endlich nicht mehr erreichbar ist. Der nächste Schritt muss nun sein, die Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen, die über Jahre Antisemitismus und Rassismus im Internet verbreitet haben. Die neuen Hinweise deuten auf einen Urheber in Österreich hin und müssen jetzt mit allem Nachdruck verfolgt werden. Sollten die Täter tatsächlich im europäischen Ausland zu finden sein, dann sollten die Behörden hier ein sichtbares Zeichen setzen, dass Volksverhetzung im Internet auch grenzüberschreitend verfolgt und bestraft wird. Straffreiheit für Hass darf es niemals geben!"

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 17. Januar 2020 um 10:04 Uhr.

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