Kuh bei Tiertransporte | Bildquelle: rbb

Trotz massiver Kritik Viehhändler umgehen Abfertigungsstopp

Stand: 28.05.2019 09:12 Uhr

Tagelange Transporte, teilweise bei extremer Hitze oder Kälte - trotz solcher Verstöße gegen den Tierschutz werden weiterhin Tiere aus Deutschland in Staaten außerhalb der EU gebracht. Viehhändler umgehen den Abfertigungsstopp.

Seit Anfang des Jahres sind von Deutschland aus mehr als 100 Tiertransporte in Länder außerhalb der EU gegangen - darunter auch in Tausende Kilometer entfernte Staaten wie Usbekistan, Ägypten und den Libanon. Das hat eine Umfrage von Report Mainz unter allen zuständigen Ministerien der Bundesländer ergeben. Aktuell werden Transporte in sogenannte Drittstaaten noch in Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen freigegeben.

Hintergrund der Umfrage ist die Kritik vieler Amtstierärzte an den Transporten, vor allem von Rindern, in Länder außerhalb der EU. Seit Anfang des Jahres weigern sich die Veterinäre mehrerer Landkreise, solche Tiertransporte abzufertigen. Sie begründen dies damit, dass Tierrechtsorganisationen auf den Transportstrecken seit Jahren Verstöße gegen den Tierschutz dokumentieren. Es sei nicht auszuschließen, dass sie sich als Amtstierärzte bei einer Genehmigung strafbar machten, heißt es.

Erhebliche Verstöße gegen den Tierschutz

In der Folge haben mehrere Bundesländer, unter anderem Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein, Listen mit 17 Ländern außerhalb der EU herausgegeben, darunter Usbekistan, Armenien, Ägypten, Syrien, Marokko und die Türkei. Auf den Transportrouten dorthin seien erhebliche Verstöße gegen den Tierschutz zu befürchten, heißt es. Seitdem wurden in diesen Bundesländern keine Tiertransporte mehr dorthin abgefertigt.

Nach Report-Mainz-Recherchen weicht die Exportwirtschaft allerdings auf andere Bundesländer aus. So erklärte zum Beispiel der Vorsitzende des Landesverbands beamteter Tierärzte in Bayern, Jürgen Schmid: "Nachdem in Bayern keine Endabfertigungen mehr erfolgen, weicht man in andere Länder der Bundesrepublik aus. Vom Transportweg ist es natürlich insbesondere wenn der Transport anschließend wieder nach Süden geht, schon etwas seltsam, wenn die Tiere zuerst nach Norden rauf, beispielsweise nach Niedersachsen oder nach Brandenburg, verbracht werden, um von dort dann wieder in die nordafrikanischen Länder zu gehen."

Einheitliche Lösung nötig

Die Hessische Tierschutzbeauftrage, Madeleine Martin, kritisierte den "Verschiebebahnhof" scharf: "Das ist ein Riesenproblem. Sie werden schlicht in andere Bundesländer gefahren und dann dort abgefertigt. Solange die Bundesländer da nicht stringent sind, wird sich für die Tiere nichts ändern." Um das Ausweichen der Exportwirtschaft zu verhindern, sei eine bundeseinheitliche oder europäische Lösung nötig.

Tiertransporter im Stau | Bildquelle: rbb
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Belegt sind Transporte bei extremer Hitze oder Kälte, tagelange Fahrten ohne die Einhaltung der vorgeschriebenen Abladezeiten oder fehlende Wasserversorgung - und in der Folge der Tod von Rindern während der Transporte.

Auf Nachfrage von Report Mainz teilte der EU-Agrarkommissar Phil Hogan mit, man sehe zwar das Problem, jedoch stünden vor allem die Mitgliedstaaten in der Verantwortung. Eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums erklärte: Das Ablehnen oder Zulassen dieser Tiertransporte sei Aufgabe der Bundesländer und ihrer Behörden. Gemeinsam mit den Ländern habe man bei der jüngsten Agrarministerkonferenz beschlossen, "dass es eine Datenbank geben soll. Darin sollen sie Informationen über Transportrouten teilen können, etwa zu der Frage, ob es entlang einer Route ausreichend Versorgungsstationen gibt".

Die betreffenden Bundesländer teilten mit, sie unternähmen bereits viel, damit Tierschutzstandards eingehalten würden. Rheinland-Pfalz und Hessen haben eine Bundesratsinitiative angestoßen, mit der sie den Bund auffordern wollen, sich mehr für das Tierwohl bei Tiertransporten in Drittländer einzusetzen.

Transporte bei extremer Hitze oder Kälte

Tierrechtsorganisationen wie Animals Angels und Animal Welfare Foundation, aber auch die EU dokumentieren seit Jahren Tierschutzverstöße auf den Transportrouten von Rindern in Drittstaaten. Meist werden trächtige Kühe dorthin gebracht. Belegt sind etwa Transporte bei extremer Hitze oder Kälte, tagelange Fahrten ohne die Einhaltung der vorgeschriebenen Abladezeiten oder fehlende Wasserversorgung - und in der Folge der Tod von Rindern während der Transporte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Februar 2019 um 20:00 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema das Erste am 28. Mai 2019 um 21:45 Uhr in der Sendung "Report Mainz".

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