Flugbegleiter der Lufthansa  | Bildquelle: dapd

Öl-Dämpfe in Flugzeugkabinen Giftstoffe in der Luft

Stand: 28.01.2020 19:58 Uhr

Sprachfindungsstörungen, Gedächtnisverlust und Lähmungen: Mitarbeiter von Airlines leiden Report Mainz zufolge unter den Folgen von Schadstoffen in Flugzeugkabinen.

Von Nick Schader und Markus Steinhausen, SWR

Personalvertreter der Lufthansa fordern, dass alle Crewmitglieder mit speziellen Atemschutzmasken ausgestattet werden - als Schutz vor giftigen Öl-Dämpfen in Flugzeugkabinen. Das geht aus einem aktuellen Rundbrief der Personalvertretung hervor, der dem ARD-Politikmagazin Report Mainz vorliegt.

Hintergrund sind sogenannte "Fume Events". Dabei können giftige Stoffe aus den Triebwerken in die Kabine gelangen. In dem Schreiben der Arbeitnehmervertreter heißt es, "für uns ist klar, dass wir ein Problem mit Triebwerksölen in der Klimaanlage haben können." Daher stelle eine "Atemschutzmaske immer noch eine bessere Lösung dar, als überhaupt keine Möglichkeit für den Eigenschutz zu haben".

Umfrage unter Bordpersonal

Bei fast allen aktuellen Passagierflugzeugen wird die Luft für die Klimaanlage aus den Triebwerken abgezapft. Dort kommen hochtoxische Öle zum Einsatz. Diese können unter bestimmten Umständen verdampfen und dann in die Kabine gelangen. Davon können Piloten, Flugbegleiter und Passagiere betroffen sein.

Report Mainz hat eine nicht repräsentative Umfrage mit Unterstützung von Luftfahrt-Gewerkschaften durchgeführt. Daran haben sich mehr als 750 Airline-Mitarbeiter beteiligt. Die Auswertung ergab: Rund 75 Prozent aller Teilnehmer haben schon "Fume Events" erlebt. Mehr als 400 der Teilnehmer beschreiben teilweise sehr schwerwiegende Folgen: Von Sprachfindungsstörungen, Gedächtnisverlust, Lähmungen der Extremitäten bis hin zu Lungenschäden oder Flugunfähigkeit und damit einhergehendem Jobverlust.

Blick in die Economy-Class eines Lufthansa-Airbusses A300-600 | Bildquelle: picture-alliance/ ZB
galerie

Unbedenkliche Luftqualität? Blick in die Economy-Class eines Lufthansa-Airbusses A300-600

"Hunderte von giftigen Stoffen"

Laut Zulassungsvorschrift der Flugbehörden muss die Kabinenluft "frei von schädlichen Schadstoffkonzentrationen" sein. Das werde durch die heutige Konstruktion der Flugzeugbelüftung nicht eingehalten, kritisiert der Luftfahrtexperte und Ingenieur Prof. Dieter Scholz von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg im Interview mit Report Mainz.

"Wenn das Öl in die heiße Verdichterluft kommt, dann pyrolysiert oder verbrennt es. Dabei entstehen hunderte von giftigen Stoffen. Menschen werden krank, Passagiere wie Besatzung."

Lufthansa: Luft "unbedenklich"

Der Grüne Bundestagsabgeordnete Markus Tressel warnt seit Jahren vor giftiger Kabinenluft. Es gebe Lösungsvorschläge, die von der Luftfahrtindustrie ignoriert würden. So könnten Filter in Flugzeuge eingebaut werden, die die Luft reinigen, bevor sie in die Kabine gepumpt wird. Das sei heute nicht der Fall.

Ebenso könnte man Sensoren einbauen, die an Bord warnen, wenn giftige Substanzen in der Luft sind, um die Belüftungszufuhr aus den Triebwerken zu stoppen. Langfristig müsste die Flugzeug-Belüftung aber anders konstruiert werden - ohne "Zapfluft" aus den Triebwerken. Daran führe kein Weg vorbei, so Tressel.

Auf Anfrage von Report Mainz ging die Lufthansa nicht darauf ein, ob sie Schutzmasken zur Prävention von gesundheitlichen Folgen von "Fume Events" für das Bordpersonal einsetzen will. Nach Angaben der Airline sei die Luft in Flugzeugen "unbedenklich und teilweise sogar besser als in Büros." Es seien aber weitere Studien zu dem Thema geplant.

Über dieses Thema berichtete "Report Mainz" am 28. Januar 2020 um 21:45 Uhr.

Darstellung: