Der russische Geschäftsmann Alischer Usmanow | dpa
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Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung Razzia bei Oligarch Usmanow

Stand: 21.09.2022 09:53 Uhr

Seit dem Morgen werden Wohn- und Geschäftsräume des russisch-usbekischen Oligarchen Usmanow in Deutschland durchsucht. Laut Recherchen von BR und MDR steht er im Verdacht der millionenschweren Steuerhinterziehung.

Von Claudia Gürkov, Axel Hemmerling, Ludwig Kendzia und Fabian Mader, BR/MDR

Die Fischerstraße in Rottach-Egern am Tegernsee ist eine der exklusivsten Wohnadressen in Deutschland. Seit 2011 hat der russische Milliardär und Putin-Freund Alischer Usmanow hier ein Anwesen. Dort soll er sich bis zum Beginn des Krieges gegen die Ukraine regelmäßig aufgehalten haben. Doch seit er neben weiteren Oligarchen und Vertrauten des russischen Präsidenten auf die EU-Sanktionsliste gesetzt wurde, soll Usmanow am Tegernsee nicht mehr gesehen worden sein.

Seit dem Morgen durchsuchen Beamte der Staatsanwaltschaft München II, des Bundeskriminalamtes und der Steuerfahndung die Villa. Zeitgleich laufen Razzien in weiteren Wohn- und Geschäftsräumen in Deutschland, die im Zusammenhang mit Usmanow stehen sollen. Nach Recherchen von BR und MDR soll es um den Vorwurf der millionenschweren Steuerhinterziehung gehen.

Verdacht der Steuerhinterziehung

Im Fokus sollen dabei Usmanows Aufenthalte am Tegernsee stehen. Da er mit der Villa in Rottach-Egern eine Wohnung im rechtlichen Sinne besitzt und diese oft und über längere Zeit genutzt haben soll, hätte er in Deutschland möglicherweise eine Steuererklärung machen müssen, so der Verdacht der Ermittler. Doch das hat der Oligarch offenbar seit Jahren nicht getan. Was bedeutet, dass er möglicherweise Steuern hinterzogen haben könnte.

Dies soll wohl in dem laufenden Ermittlungsverfahren untersucht werden. Die Ermittler gehen seinen geschäftlichen Aktivitäten nach, um herauszufinden, ob und gegebenenfalls wie viel Geld Usmanow dem deutschen Staat schulden könnte. Dass es dabei um eine hohe Summe gehen könnte, ergibt sich allein schon aus seinen dutzendfachen geschäftlichen Aktivitäten, die seit Jahren öffentlich bekannt sind.

Laut einer Schätzung des US-Magazins "Forbes" wird Usmanow aktuell ein Vermögen im Wert von rund 14,6 Milliarden Euro zugerechnet. Nach Informationen von BR und MDR könnte ein erheblicher Teil seines Milliarden-Vermögens für die Berechnung seiner mutmaßlichen Steuerschulden herangezogen werden. Damit dürfte es sich wohl um eines der größten Steuerstrafverfahren in der bundesdeutschen Geschichte handeln.

Zahlreiche Firmenbeteiligungen

Usmanow ist in zahlreichen Geschäftsfeldern aktiv. So unterhielt er die Gallagher Holdings Ltd., eine Investment-Gesellschaft auf Zypern. Mit ihr und weiteren Investment-Firmen soll er jahrelang Anteile von Unternehmen in verschiedenen Branchen gekauft und verkauft haben. Er soll Beteiligungen an Apple, Facebook und dem russischen Facebook-Pendant vk.com gehalten haben. Einen großen Teil seines Vermögens hat er mit der Metalloinvest gemacht, einem internationalen Bergbau- und Metallgiganten. Außerdem gehören ihm Anteile am russischen Telekommunikationskonzern MegaFon.

Diese und andere Firmen hatte Usmanow vor einigen Jahren unter anderem in der USM-Holding gebündelt. Bei den Käufen und Verkäufen verdiente der Oligarch immer wieder hohe Millionensummen. Zudem wurden aus den Gewinnen der Firmen Dividenden ausgeschüttet. Die dürften ebenfalls in Usmanows Tasche geflossen sein.

Diese Geschäfte und die millionenschweren Einnahmen dürften die Fahnder brennend interessieren. Denn daraus würden sich Erkenntnisse über Gelder ergeben, die Usmanow in Deutschland hätte möglicherweise versteuern müssen, wenn sich der Verdacht der Steuerhinterziehung erhärten sollte.

Anteile an englischem Fußballclub verkauft

In diesem Zusammenhang könnte für die Ermittler auch sein geschäftliches Engagement beim englischen Top-Fußball Club Arsenal London von Interesse sein. Bereits 2007 war Usmanow über die Investmentgesellschaft Red and White Securitis Ltd. in den Club eingestiegen. Erst hatte er knapp 15 Prozent der Anteile gekauft. Diese stockte er dann auf 23 und in der Folge auf 30 Prozent auf. Als es zwischen Usmanow und weiteren Investoren zu einem Zerwürfnis kam, verkaufte er im August 2018 seine Anteile. Damit soll Usmanow Erlöse von mehr als einer halben Milliarde Euro erzielt haben. Auch diese Summe könnte im laufenden Steuerstrafverfahren eine Rolle spielen.

Neben seinem Firmenimperium wird Usmanow eine ansehnliche Luftfahrtflotte zugerechnet. Dazu sollen ein Airbus A340-300, eine Dassault Falcon und zwei Airbus Helicopter gehören. Nach Informationen von BR und MDR sollen die Maschinen einem undurchsichtigen Geflecht von Gesellschaften in Zypern oder den Cayman Islands gehören. Möglicherweise wollte der Oligarch auf diesem Weg Vermögen verschleiern. Auch das dürfte für die Ermittler von Interesse sein.

Nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine hatte die Europäische Union eine umfassende Sanktionsliste erlassen. Darauf stehen Namen von russischen Oligarchen, Politikern oder engen Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Auch Usmanow steht auf dieser Liste, gemeinsam mit Milliardären aus dem Umfeld des russischen Machthabers. Damit wurde Ende Februar dieses Jahres sein gesamtes Vermögen in der EU eingefroren. Usmanow hatte neben den Oligarchen, Roman Abramowitsch, Michail Fridman und Petr Aven Ede Juli Klage gegen die Sanktionen eingereicht.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Panorama am 17. März 2022 um 21:45 Uhr