Polizeibeamte untersuchen den Tatort in Berlin-Moabit. | Bildquelle: REUTERS

Erschossener Georgier Bundesregierung widerspricht Putin

Stand: 18.12.2019 14:40 Uhr

Russlands Präsident Putin hat den in Berlin erschossenen Georgier als "Banditen" bezeichnet und Deutschland vorgeworfen, ihn trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Die Bundesregierung weist das zurück.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Russlands Präsident Wladimir Putin hat schwere Vorwürfe gegen deutsche Behörden erhoben. Im Zusammenhang mit dem Mord an einem Georgier in Berlin sagte Putin nach dem Ukraine-Gipfel in Paris, Deutschland habe den "Verbrecher und Mörder" trotz entsprechender Gesuche nicht an Russland ausgeliefert.

Zwei Taten warf er dem Georgier konkret vor: Der Mann habe bei einem Anschlag im Nordkaukasus den Tod von 98 Menschen verschuldet. Er ereignete sich am 21. und 22. Juni 2004 in der russischen Teilrepublik Inguschetien unter Führung des Terroristen Schamil Bassajew. Außerdem sei der Georgier an einem der Anschläge auf die Moskauer Metro beteiligt gewesen. Im Jahr 2010 war die U-Bahn in der russischen Hauptstadt zwei Mal mit Sprengstoff angegriffen worden. Zu den möglichen Hintergründen des Mordes an dem Georgier sagte Putin: "Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. Das ist ein verbrecherisches Umfeld. Da kann alles Mögliche passieren."

Dementi aus Berlin

Kanzlerin Angela Merkel hatte die Vorwürfe gegen Deutschland nicht weiter kommentiert. Bei der Pressekonferenz im Pariser Élyseépalast gab sie sich Mühe, die Spannungen mit Russland nicht anzuheizen und betonte, dass die Ermittlungen noch laufen: "Wir haben im Augenblick einen Anfangsverdacht des Generalbundesanwalts, nicht mehr und nicht weniger."

Nun dementiert die Bundesregierung aber die Aussage von Putin. Auf Anfrage von tagesschau.de teilte das zuständige Bundesjustizministerium mit, die Hintergründe zum Tatopfer seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Und: "Der Bundesregierung sind keine Auslieferungsersuchen Russlands zu dem Tatopfer bekannt."

Beziehungen schwer belastet

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind wegen des Tötungsdelikts angespannt. Der 40-jährige Georgier war im August im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit von hinten in Rücken und Kopf geschossen worden. Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf gefasst, sitzt seither in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Die Bundesregierung wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung vor und wies deshalb zwei russische Diplomaten aus. Russland will entsprechend darauf reagieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Dezember 2019 um 06:47 Uhr und 06:50 Uhr.

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